25 Jahre GHB

Gesellschaft Historisches Berlin e.V. - AKTUELL

AUSGABE 2016 - NR. 13 - Berlin, den 12.12.2016 

 

Eine neue Verkehrsideologie für die Berliner Mitte
Rot-Rot-Grün will die Straße „Unter den Linden“ zur Fußgängerzone machen

Bei den Koalitionsverhandlungen Anfang November 2016 entschieden sich die verhandelnden Parteien für einen Kurswechsel in der Politik. Ein Resultat  war die gemeinsam gefasste Absichtserklärung, die Straße „Unter den Linden“ zur Fußgängerzone umzugestalten. Eine schnelle und undurchdachte Idee wurde proklamiert.

Ob es eine Fußgängerzone oder ein „prachtvoller Boulevard für Fußgänger“ werden soll, ist noch nicht ganz klar. Vorgesehen ist, die Straße für private PKWs zu sperren und die Nutzung nur dem ÖPNV, dem Tourismusverkehr (Busse) und diplomatischen Fahrzeugen zu erlauben.

Es soll eine Begegnungszone entstehen- das „shared space“-Prinzip. Die Verkehrsteilnehmer sollen vollständig gleichberechtigt sein. Die privilegierten, motorisierten Verkehrsteilnehmer, die Radfahrer und die Fußgänger sollen den Straßenraum zu einem urbanen Lebensraum umfunktionieren.
Die Diskrepanz zwischen Idee und Umsetzung kann man am Projekt der Maaßenstr. in Schöneberg beobachten. Doch fällt das Projekt „Fußgängerzone UdL“ zweifelsohne in eine andere Bedeutungsebene. Es geht hier nicht nur um eine Hauptverkehrsader im Herzen der Stadt sondern auch eine ausgewiesene Bundesstraße.

Es werden etliche Fragen und Gedanken durch diesen Vorstoß aufgeworfen:

Wie sinnvoll sind Fußgängerzonen, wenn die umliegenden Straßen den zusätzlichen Verkehr nicht aufnehmen können?
Sämtliche Ost West Verbindungen sind schon jetzt verstopft und überlastet, morgens in Richtung Westen und abends umgekehrt.

Wohin soll der Verkehr ausweichen?
Der Verkehr soll durch die zur Einbahnstraße erklärten Invalidenstraße und die zurück gebaute Leipzigerstraße umgeleitet werden. Der StEP Verkehr sieht eine Tramlinie für die Leipzigerstraße vor, welche den Verkehrsfluss hinzukommend beeinflusst. Der zusätzliche Verkehr in den Ausweichstraßen bedeutet eine zusätzliche Belastung der dortigen Anwohner; der Stau in diesen Straßen ist vorprogrammiert.
Wie die vorgeschlagene Umleitungsstrecke den verstärkten Verkehr aufnehmen soll, bleibt das Geheimnis der Koalition. Zudem soll auch der Weiterbau der A100 nicht weiter geplant werden. Also kein Masterplan für die Berliner Mitte.

Wo und wann darf der Lieferverkehr für die Hotels, Unternehmen, etc. stattfinden?
Dazu konnte man bisher nichts erfahren.

Unter den Linden ist eine Bundesstraße.
Genau genommen sogar eine "doppelte": B 2 und B 5. Der Bund entwidmet diese in der Regel nur, wenn eine Parallelstrecke mit mindestens der gleichen Kapazität zur Verfügung steht.

Wie kann man als Fußgänger von einer Straßenseite zur anderen wechseln, wenn der Querungsverkehr ( Friedrichstraße ,Wilhelmstraße, etc.) weiterhin erlaubt ist?
Die vielfältigen Interaktionen zwischen querenden Fußgängern und dem motorisiertem Verkehr stehen der Ideologie der Fußgängerzone „Unter den Linden“ entgegen.

flaniermeile berlin

 

Welche Kosten entstehen durch die Verwaltungsakte, die Beschilderung, etc. um die Straße „UdL“ zu einer Fußgängerzone zu machen und in welchem Verhältnis steht dies zu dem zu erwartenden Effekt?
Die GHB hält die Idee, die Straße U. d. L. zu einer Fußgängerzone umzuwidmen, für falsch.
Die Straße ist zu breit; es gibt 3 Fußgängerbereiche, die breiter sind als in jeder anderen Straße von Berlin. Als Fußgänger braucht man keine 100m Breite zum Laufen. Die beidseitige Blockrandbebauung weist zu wenige Geschäfte und Gaststätten auf, so z. B. ca. 250 m vor der russischen Botschaft und gegenüber vor der Ungarischen Botschaft und Bundestagsverwaltung, ca. 150 m vor der Staatsbibliothek und gegenüber vor der Deutschen Bank usw. Wer sich gegen 19 oder gar 20 Uhr, auf den "Prachtboulevard" verirrt, womöglich noch an einem Sonn- oder Feiertag, kann dort heute schon jene gespenstische Ödnis erleben, die für Fußgängerzonen nach Ladenschluss typisch ist. Läden oder gar Lokale gibt es an der Straße nur punktuell, insbesondere der Abschnitt zwischen Wilhelm- und Glinkastraße erfreut durch einige große, totwirkende Gebäudeklötze. Fehlt es zu später Zeit an Schaufensterbeleuchtung, entstehen unangenehme „Dunkelzonen“.
Insgesamt ist die Bau- und Verkehrspolitik eine Sammlung von Ideenfragmenten.
Viele dieser Aufgabenstellungen und -lösungen haben in der Zukunft deshalb keinen Bestand, weil die Vision zu unscharf ist und die zu erwartenden Entwicklungen nicht vollständig berücksichtigt wurden.

 


Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe für das Museum der Moderne
Eine Ausstellung im Kulturforum zeigt alle zum Realisierungswettbewerb eingereichten Entwürfe und Modelle. Bis zum 8. Januar 2017 sind die Entwürfe und Modelle in der Ausstellungshalle im Kulturforum zu sehen. Der Eintritt ist frei. Das Kulturforum ist geöffnet dienstags, mittwochs, freitags 10.00–18.00 Uhr, donnerstags 10.00–20.00 Uhr und samstags und sonntags 11.00–18.00 Uhr.

 


Wir wünschen entspannte Weihnachtsfeiertage und einen guten Start ins neue Jahr 2017.

Der nächste Newsletter erscheint Anfang Januar.

 


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