Mit dem letzten Wettbewerb (Hochtief), nach dem Archäologischen Zentrum und dem Lehr- und Bethaus, scheint die Zukunft der „Wiege Berlins" ge- (ver-)plant.

Die gesamte Fläche zwischen Kleiner Scharrenstraße und Breite Straße wurde in drei Abschnitte aufgeteilt.

p1-modell_senstadt
Bild 1: Modell SenStadt

1. Das Archäologische Zentrum

Das Projekt nimmt jetzt Gestalt an. Wettbewerbsgewinner sind der Architekt Nagler und die Landschaftsarchitektin Kautz. Der Neubau entsteht über den Fundamenten der mittelalterlichen Lateinschule, die bei den Grabungen am Petriplatz entdeckt wurden.

„Das inhaltliche Konzept des Besucherzentrums sieht vor, neben der Präsentation der Grundmauern der Lateinschule sowie der Ausstellung von sonstigen Grabungsfunden, auch die Arbeitsmethoden archäologischer Tätigkeiten zu präsentieren" (SenStadt). Den Entwurf selbst zeichnet eine offene, gefällige Fassade aus. Der Neubau soll auch Ausgangspunkt einer „archäologischen Promenade" durch die historische Kernstadt werden. Dazu sollen „archäologische Fenster" entstehen, z. B. am mittelalterlichen Rathaus, am Großen Jüdenhof und über den Schlosskellern.

p2-archaeologisches-zentrump3-zentrum-gertraudenstr
Bild 2: Archäologisches Zentrum                   Bild 3: Zentrum Gertraudenstraße

2. Das Bet- und Lehrhaus Petriplatz

Ein Zentrum für Religion will der gleichnamige Verein über den Fundamenten der alten Petrikirche, die erhalten werden sollen, errichten. Der Siegerentwurf zeigt einen Ziegelsteinbau mit schlichter Fassade und einen viereckigen, hohen Turm in der Mitte. Auch dieser Entwurf von KühnMalvezzi fügt einen Arkadengang zur Gertraudenstraße ein.

Die Finanzierung dieses Projektes ist ungesichert, und die Realisierung könnte sich verzögern. Die Senatsverwaltung sollte in diesem Fall eine vorübergehende Platzgestaltung vornehmen, damit keine jahrelange Stadtbrache entsteht.

p4-bet-lehrhaus
Bild 4: Bet- und Lehrhaus Petriplatz / KühnMalvezzi (Foto Michael Koczy)

3. Das Bürogebäude

Auf dem Gelände des ehemaligen Warenhauses Hertzog und dem 1899 abgerissenen Cöllner Rathaus soll ein kompakter Großbau entstehen.

Die Wettbewerbsgewinner sind die Architekten Ortner & Ortner. Sie entwarfen eine eintönige Rasterfassade mit zurückgesetzten Staffelgeschossen. Sie nahmen leider keinen Bezug (andere Mitwettbewerber schon) auf den berühmten Mittelrisalit des Cöllner Rathauses. Hier soll nach Aussage des Projektleiters Stephan Roßinky (Hochtief) nachgebessert werden. Besonders erwähnt wird in der Beurteilung des Entwurfs die offene Ausbildung des Bodendenkmals (zweigeschossige Halle), das allerdings zu hoch und damit als unwirtschaftlich angesehen wird.

p5-buerogebaeude-oop6-gebaeude-breitestr

Bild 5: Bürogebäude Petriplatz                    Bild 6: Bürogebäude von der Breite Str
(Ortner&Ortner)

Schlussbetrachtung

Das Viertel um den Petriplatz gehörte zu den wichtigsten Geschäftszentren (Kaufhaus Hertzog) und Kulturräumen (Nikolai Haus) Berlins. Es ist zu hoffen, dass das Archäologische Zentrum dem bisher öden Quartier öffentliche Aufmerksamkeit beschert.

Kann aber eine Reurbanisierung gelingen, wenn die autobahngleiche Gertraudenstraße nicht zurückgebaut wird? Nach letzten Planungen wird diese Stadtschneise 38,5 m – 44 m (Stimmann) betragen, also sechs Autospuren und dazu eine „grüne Tram-Trasse" (12 m).

Auch der Stadthistoriker Benedikt Goebel meint: „Der Senat ist nicht bereit, die autogerechte Stadt im historischen Zentrum infrage zu stellen". Wie soll so also ein Stadtplatz mit Aufenthaltsqualität entstehen?

sehen Sie auch: www.GHB-online.de, Thema: Alt-Berlin/Alt-Cölln

Berlin, den 17. April 2013

Horst Peter Serwene