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Berlin: ,,2,6 Millionen für ein Flussbad":
Leserbrief an die Berliner Zeitung von Dr. Peter Goralczyk am 1.12.2014

Den ältesten und völlig intakten Teil der Spreeuferbegrenzung am Lustgarten zwischen Schlossbrücke und Bodestraße für die Anlage einer Flussbadeanstalt zu opfern, wäre ein nicht wiedergutzumachender Frevel am historischen baulichen Erbe Berlins. Die herben Ufermauern bilden seit jeher die Begrenzung des Lustgartens. Sie sind Teil des historischen Berliner Forums mit dem Schloss, dem Dom, dem Alten Museum und der Schlossbrücke.

 

Sie bilden seit über 300 Jahren den östlichen Abschluss der Linden. Mit den Ufermauern müsste auch der so einzigartige Regenwasserüberlauf vom Lustgarten in der östlichen Kaimauer fallen. Entworfen von Schinkel, angeregt durch römische Wandbrunnen, sollte sich unter einem Kranz exakt geschnittener Sandsteinblöcke aus einer Brunnenschale flankiert von zwei springenden Delfinen das Regenwasser aus dem Lustgarten in einem Wasserschwall in die Spree ergießen. Das funktionierte nicht lange. Der Brunnen ist aber noch erhalten. Ein notwendiger Wasserablauf wurde zum Kunstwerk gestaltet, wo gibt es noch so etwas in Berlin oder in Deutschland, dass man auf die Idee kommt, sich davon zu trennen. Ufermauern und Wandbrunnen sind in dieser Form und an diesem Ort authentisch für den Berliner Klassizismus, der nach wie vor zum Besten gehört was in Berlin hervorgebracht wurde. Die ohnehin wenigen wirklich alten Bereiche der Stadt müssen einfach so bleiben wie sie sind, auch wenn naseweise Heißsporne immer wieder einmal der Meinung sind, dass sie sich dort etwas viel Tolleres vorstellen können wie jetzt zum Beispiel eine Flussbadeanstalt. Hoffentlich ist dieser Frevel noch zu verhindern.