Gebt unseren Städten endlich wieder ein Gesicht!

Wie lange müssen wir uns noch hässliche Betonfassaden anschauen? Lübeck und Frankfurt setzen einen neuen Trend: Langsam begreifen Architekten wieder, wie wichtig die Schauseite eines Gebäudes ist.
Die Welt vom 14.05.2016 - von Rainer Haubrich

Wenn Architekten ihre eigenen Entwürfe beschreiben, so lehrt die Erfahrung, ist Vorsicht angebracht. Ein Baumeister sagt beispielsweise über die Fassade seines Gebäudes, sie nehme den Charakter der Straße "auf zeitgenössische Weise" auf, in ihrer "Materialität" bilde sie einen "spannungsreichen Kontrast" zu den angrenzenden Häusern, sie zeige zudem ein "feines Relief", und der Rhythmus der "Wandöffnungen" spiegele "konsequent" die Anordnung der Räume dahinter. Trotz dieser wohlklingenden Architektenprosa kann es passieren, dass wir nach der Fertigstellung des "Projektes" vor einer kahlen Sichtbetonfassade mit schmalen Fensterschlitzen stehen. Der interessierte Laie mag sich dann ernüchtert abwenden – das Bauwerk hätte dennoch alle Chancen, in der Fachpresse hoch gelobt und mit einem der inzwischen unzähligen Architekturpreise ausgezeichnet zu werden.

118 Meter Hässlichkeit

Neue Zürcher Zeitung  vom 17.4.2016 - von E.Müller

Mitten in Zürich ist der Swissmill-Turm fertiggestellt. Der Kornsilo setzt einen neuen städtebaulichen Akzent in der Limmatstadt – als grauer, fensterloser Betonklotz. In Basel lacht man sich ins Fäustchen. Jetzt, wo der Kran abgebaut ist, lässt sich der Betonkubus in seiner ganzen Hässlichkeit erfassen. 118 Meter hoch ragt der schmale Swissmill-Turm am Zürcher Sihlquai in den Himmel, ohne ein einziges Fenster, abweisend mit seiner grauen, fast ungestalteten Fassade.

So empfängt das neue Wahrzeichen der Limmatstadt den Besucher, der von Westen kommt, mit dem Charme eines sowjetischen Kriegsdenkmals in den masurischen Sümpfen. Ein Kriegsdenkmal ist es aber nicht, sondern ein frisch betoniertes Museumsstück, das nach Meinung der Stadtregierung die Erinnerung an das Handwerk im ehemaligen Industriegebiet bewahrt, in einem Quartier notabene, wo sich längst urbanes Wohnen, schicke Bars und die Studios der Kreativwirtschaft breitgemacht haben.

Historische Mitte Umbau der Grunerstraße: Autofahrer können entspannt bleiben

Der Umbau der historischen Mitte sollte allen Autofahrern ein paar Minuten mehr Fahrzeit wert sein, kommentiert Isabell Jürgens.
Berliner Morgenpost vom 19.04.2016 - von Isabell Jürgens

Als Stadtreparatur im Herzen Berlins bewirbt der Senat den Bebauungsplan für den Molkenmarkt. Dieser soll dafür sorgen, dass aus dem Areal hinter dem Berliner Rathaus wieder ein lebendiges Viertel wird, in dem gewohnt und gearbeitet werden kann. Eine schöne Vision, die jedoch nicht unumstritten ist. Denn für das neue Klosterviertel werden 60.000 Autofahrer, die den Straßenzug Grunerstraße und Mühlendamm täglich nutzen, auf ihre schnurgerade achtspurige Rennstrecke verzichten müssen. Im Zickzackkurs und eingeengt auf sechs Spuren soll der Verkehr auf der Ost-West-Verkehrsachse künftig am Molkenmarkt vorbeigeführt werden statt quer darüber.

Berliner Stadtkern Reparatur am Herzen Berlins

Der Senat plant die Umgestaltung des Kerns von Alt-Cölln und will dafür die Grunerstraße in Mitte verlegen. Verkehrsprobleme drohen.
Berliner Morgenpost vom 19.04.2016 - von Isabell Jürgens

Seit 1999 existieren die Pläne, nach denen der Straßenzug Mühlendamm, Gertrauden- und Grunerstraße, eine der wichtigsten Ost-West-Achsen zwischen Alexander- und Potsdamer Platz, zurückgebaut werden soll. Im sogenannten "Planwerk Innenstadt" hatte der Senat damals festgelegt, dass die überbreite, achtspurige Autopiste auf ein innerstädtisches Maß zurückgebaut werden soll. Doch erst auf seiner Sitzung am Dienstag machte der Senat nun ernst: Auf Vorlage des Senators für Stadtentwicklung, Andreas Geisel (SPD), hat der Senat die umstrittene Verschwenkung des Straßenzugs und seine Verschmälerung auf sechs Fahrspuren beschlossen.

Marx-Engels-Forum wird als Standort für die Landesbibliothek untersucht

Berliner Zeitung vom 14.04.2016 - von Uwe Aulich

Der Senat prüft jetzt das Marx-Engels-Forum in Mitte als möglichen Standort für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB), der etwa 270 Millionen Euro kosten soll. „Das ist ein Standort, der in Frage kommt“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Mittwochabend im Abgeordnetenhaus, wo sie eine Ausstellung zur historischen Mitte eröffnete.