Ein Hoch auf das gebaute Bild auf der Museumsinsel

Berliner Zeitung vom 13.04.2016 - Kommentar

Ist eine Posaune wirklich die angemessene musikalische Begleitung für ein Richtfest? Sie erinnert doch sehr an den Sturm auf die einstürzenden Mauern von Jericho. Aber gestern war beim Richtfest für die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel nicht der Tag zum Kritteln. Was soll man auch sagen angesichts des um Jahre verzögerten Bauverlaufs und Baukosten, die von 73 auf mindestens 134 Millionen Euro für nur 4600 Quadratmeter stiegen? Bundesbauministerin Barbara Hendricks versprach zwar Besserung im staatlichen Bauen. Aber wie will sie verhindern, dass auch künftig wegen übergeordneter Konzepte mitten in Schlammgruben hinein gebaut wird?

Millionen-Kredit für den Wiederaufbau der Garnisonkirche

Die Evangelische Kirche fördert den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam mit einem Darlehen. Es gibt aber Auflagen.
Berliner Morgenpost vom 09.04.2016 - von Katrin Lange

Am Ende ihrer zweitägigen Frühjahrstagung hat die die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Sonnabend beschlossen, ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3,25 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam bereitzustellen. Das bestätigt Heike Krohn-Bräuer, Sprecherin der Landeskirche.

Voraussetzung für die Finanzierung sei aber, dass die Kosten für den ersten Bauabschnitt von 26 Millionen Euro gesichert sind. Die Gesamtkosten des Projekts betragen 37,8 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich am Bau des Turms mit zwölf Millionen Euro. Bis Ende 2016 sollen zur Schließung der Finanzierungslücke Spenden eingeworben werden. Der Wiederaufbau muss bis 2018 beginnen, damit die Baugenehmigung nicht verfällt.

Berlins vergessene Mitte

Berliner Zeitung vom 09.04.2016 - von Harald Jähner

Oben hui, unten naja. Zwischen Fernsehturm und Rathaus befindet sich eine Berührend ratlos präsentiert sich Berlin in seiner historischen Mitte. Zwischen dem Roten Rathaus, der Schlossbaustelle, dem Alexanderplatz und der Karl-Liebknecht-Straße gähnt eine fast leere Fläche. Irgendein seltsamer Regisseur hat sie wie auf einer gigantischen Bühne dort zusammengeführt: den schlanken, 368 Meter hohen Fernsehturm und die Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert. Beide, Fernsehturm wie Kirche, stehen in besonderer Beziehung zum Himmel. Beide senden Botschaften aus. Sie stehen dort als starke Zeichen gegensätzlicher Welten und entfernter Epochen. Dazwischen und drumherum hat man irgendwas angeordnet: Treppen, Lampen, Wasserkaskaden mit immerhin 560 Düsen, ein bisschen Struktur halt. Man muss ja Gestaltungswillen zeigen.

Der Große Kurfürst gehört zum Schloss!

Berliner Zeitung vom 5.4.2016 - Kolumne von Götz Aly

In zwei Jahren wird der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus um ein paar Hundert Meter an seinen alten Standort zurückversetzt. Sodann sollte ein nach 1945 ebenfalls fehlplatziertes Stück aus dem Berliner Westen zum Stadtschloss zurückgeholt werden.

Doch eins nach dem anderen. 1888 hatten die Berliner Stadtväter den zu DDR-Zeiten so bezeichneten Neptunbrunnen für den frisch gekrönten Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben und vor das Schlossportal an der Breiten Straße gesetzt.

Ihro Durchlaucht mochte das sprudelnde Geschenk nicht. Offiziell als Schlossbrunnen bezeichnet, hieß es im Volksmund Forckenbecken. Der Name verdankt sich dem bedeutenden liberalen Oberbürgermeister Max von Forckenbeck, der die Gabe als Demonstration kommunaler Freiheit verstand. Mit dem reaktionären Monarchen verband ihn gegenseitige Abneigung.

Kritiker: Dachrestaurant verschandelt das Berliner Schloss

Berliner Zeitung vom 15.03.2016 von Ulrich Paul

Mit Liebe zum Detail wird die Barockfassade des Berliner Schlosses rekonstruiert – doch auf dem Dach geht es historisch weit weniger exakt zu. In etwas mehr als 30 Meter Höhe soll ein Dachrestaurant mit Platz für 200 Gäste entstehen. An diesem Dienstag will die Stiftung zum Bau des Schlosses darüber entscheiden. Was für Besucher eine neue Attraktion zu werden verspricht, stößt bei den beratenden Architekten auf Protest. „Ich halte es für falsch, ein Dachrestaurant auf dem Berliner Schloss zu errichten“, sagt Peter Kulka, der Architekt des Potsdamer Stadtschlosses. „Kuppel und ein wenig gelungenes Dachrestaurant würden sich gegenseitig in Frage stellen.“