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Staatsoper | Drucken |
Architektenleistung zur Staatsoper vergeben
Der Berliner Senat teilte am 06.03.09 mit:

Die Planungsleistung von Architekten für den denkmalgerechten Umbau, die Modernisierung und die Erweiterung der Staatsoper Unter den Linden Berlin mit seinem Opernhaus und angrenzenden Funktionsgebäuden wurde vergeben. Aus 21 Bewerbern wurde das Architekturbüro hg merz aus Stuttgart für den denkmalgerechten Umbau, die Modernisierung und die Erweiterung der Staatsoper Unter den Linden ausgewählt.

Die Grundinstandsetzung und Sanierung der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel sowie die zur Zeit laufende Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek sind Referenzprojekte dieses Architekturbüros in Berlin.

Der Baubeginn in der Staatsoper ist im Sommer 2010, die Fertigstellung der Baumaßnahme ist für den Beginn der Spielzeit 2013 geplant.

Die Akustik und die Sichtlinien werden im Rahmen einer denkmalgerechten Sanierung verbessert.

Die Bausumme beträgt insgesamt 239 Mio. €.
Der Vorstand der GHB begrüßt die Entscheidung des Senats.


 

Neuer Wettbewerb ausgeschrieben
von Host Peter Serwene - Januar 2009

Der Gewinner des 1. Wettbewerbs zum Umbau der Oper war der Architekt Roth mit einer modernen Auslegung des Zuschauerraums. Auf Betreiben von Kulturstaatssekretär André Schmitz, des Dussmann-Fördervereins und der GHB wurde der 1. Wettbewerb ausgesetzt. Eine neue Ausschreibung, dem die bestehende Gestaltung von Richard Paulick als Vorgabe zu Grunde liegt, ist ausgeschrieben.


 

Die 4. Zerstörung der Staatsoper?
Bernd Wendland und Arbeitskreis Staatsoper - Mai 2008

Deutsche Staatsoper Berlin

Das russische Roulette für die Staatsoper ist eröffnet, der Wettbewerb entschieden. Das Ergebnis in Kurzfassung (1.Preis): der Zuschauerraum, die Hauptsache des Hauses, wird "neu" und wie: Kintopp statt Knobelsdorff (u.a.), Sterilität statt Schmuck, Effekte statt Festlichkeit und  drumherum historisch.

So wird die vertraute, klassische Architektur zur Mogelpackung. Sie birgt in ihrem Inneren als Hauptsache ihre eigene Verneinung. Ein Gesamtkunstwerk wird zu einem in sich widersprüchlichen Zwitterwesen verballhornt. Eine architektonische Meisterleistung der 50er Jahre, die den Geist der Schöpfer des Opernhauses aus 250 Jahren atmet und zeigt, steht nun, obwohl unter Denkmalschutz, auf der Abschussliste. Der Tagesspiegel am 25.05.08: "Bis zu 265 Millionen Euro wird es kosten, den Musentempel samt Nebengebäuden ab Herbst 2010 bis auf die Grundmauern abzutragen und wieder aufzubauen." Das beschreibt genau das zerstörerische Denken, das hier im Hintergrund am Werke ist. Es ist das Rezept für den von uns schon lange befürchteten geplanten Totalschaden durch Total-Operation, die nunmehr 4. Zerstörung des Hauses.

Diese Zielrichtung wütet schon erfolgreich in der Nachbarschaft auf der Museumsinsel. Gleich hinter dem Alten Museum wird - gewissermaßen als Vorbild - gerade mit Erfolg das Neue Museum durch pseudomodernistischen Eklektizismus ästhetisch zu Tode gefoltert und als zur Edelleiche aufgeschminkte Dauerruine aufgebahrt (Wer spielt hier das Requiem?) Nach diesem ästhetischen Horrorakt ist nun die Oper als Opfer ins Fadenkreuz der Modernisten und der überzogenen Anspruchsteller aller Art geraten. Mit aller Kraft soll nun das Opernhaus gleichsam sturmreif geschossen werden: es wird krank geredet und muss "saniert", d.h. gesund gemacht werden. Es wird technisch, funktionell, modisch und architektonisch herabgesetzt und zerredet. Ein komplettes Zerstörungspotential wird aufgefahren, ganze Meckerkataloge werden erstellt. Da wird von einem "historisierenden Saal" (wie macht der das denn?), von Stucksahnehäubchen des Zeitgeistes der 50er Jahre gesprochen, vom "dekorativen Klimbim, von Stuck und anderem Zierrat, .... nur weg damit, stammt ja von 1951"; (falsch, 1955), "ist nicht historisch, sondern nur historisierend". Solches und ähnliches Geistesgemüse geistert durch die Gazetten.  Aber auch Vernünftiges wie der Respekt vor dem "Gesamtkunstwerk" Opernhaus, "ein geglücktes Stück Architektur" von der DDR geschaffen, "der hohe Denkmalwert dieses Ensembles..." (mit Intendanz und Kulissengebäude)... kommt zu Worte.

Immerhin haben von den 8 Teilnehmern am Wettbewerb 6 für die Weiterentwicklung der unter Denkmalschutz stehenden Paulickschen Gestaltung des Hauses Vorschläge eingeliefert. Wir sind gespannt, sie zu sehen. Die Ausstellung der 8 Entwürfe scheint derzeit vorbereitet zu werden. Worum geht es? Es ist die Kulturfrage schlechthin. Wie gehen wir mit diesem Haus um? Kultur heißt zuvörderst Pflege, insbesondere der überlieferten geistigen und künstlerischen Werke und Errungenschaften.
Mit der Oper haben wir ein einzigartiges Erbe - mit Weltkultur- Qualität -, das mehr als 250 Jahre beste Kulturgeschichte repräsentiert, und ein ganz wesentlicher Teil der Berliner Identität ist.             

Ebenso lange hat sie eine bewundernswerte musikalische und bauliche Kontinuität bewahrt durch all die schlimmen Zerstörungen: 1842, 1941, und 1945 mit ihren zum Teil verändernden Wiederaufbauten sowie durch die zwischenzeitlichen Umbauten 1788, 1904/10, 1926/28 hindurch. Grundsätzlich wurde die stilistische Sprache des Hauses trotz aller Veränderungen und kleiner Brüche als wesentliches Kennzeichen des Hauses durchgehalten. Das soll sich ändern!? Erst mit dem modernistischen Kulturbruch, "Ornament ist Verbrechen" von Adolf Loos losgetreten (Wien 1907) kommt nun schon fast regelmäßig größte Vernichtungsgefahr durch das "Neue" für alles auf, was die Züge der europäischen Kultur der letzten 1000 Jahre geprägt hat bzw. trägt. Mit dem Fanatismus, den die sich quasi berufsrevolutionär dünkenden Vertreter dieser Denkungs-Unart an den Tag legen, kommt echte Gefahr für das kulturelle Erbe schlechthin auf.
Eines der traurigsten Beispiele dieses Umstandes ist der Zeitgeist der Entschmückung und Entstuckung der gründerzeitlichen Miethäuser nach dem 2. Weltkrieg. Hier wird noch immer das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, - beliebtestes Gesellschaftsspiel der Modernismus-Ideologen. Die ästhetische Verblödung unserer städtischen Umwelt durch diese Maßnahmen ist unübersehbar. Es ist zu befürchten, dass dieser Wahn auch das Haus der Staatsoper heimsucht, er klopft gerade mächtig an die Tür!
Aber: Dieses Opernhaus muss nicht neu erfunden werden. Es hat z.B. vor gerade gut 20 Jahren eine grundlegende "Rekonstruktion" des gesamten Hauses gegeben, will heißen Reparaturen für etwa 100 Mio. Mark, die man im Baubereich kaufkraftmäßig mit DM etwa gleichsetzen kann. So ist es kein Wunder, dass das Haus heute einen guten Eindruck macht und keineswegs wegen Sanierungsbedarf auseinander fällt.

Was wollen „wir“, die GHB? - Was sich einfach gehört: Alle erforderlichen Maßnahmen wie Erneuerung technischer Anlagen, Reparaturen und Auswechslungen, will heißen, funktionelle Verbesserungen für die Nutzung, Beseitigung von Gefahrenpunkten und Bauschäden (z.B. durch Grundwasser) sind unter Achtung der geschützten Original-Bestandteile bzw. -Bauideen möglichst denkmalgerecht durchzuführen.
Dieses Haus braucht z.B. keine Super-Luxus-"Sanierung", keinen Formel I-Rennwagen von möglichst 2020 statt  der vorhandenen Staatskarosse von1928. Wir fordern eine sorgfältige, kritische und ganzheitliche, das heißt alle Maßnahmen integrierende Gesamtkosten-Planung.

 
Marienkirche
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Parchochialkirche
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Nicolaikirche
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Petrikirche
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