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Leserbrief an den Tagesspiegel von Ulrich Battis, Berlin am 10 August 2014

Die Senatsbaudirektorin sagt: "die Berücksichtigung der Kultur ist in den gesetzlichen Vorgaben nicht vorgesehen." Diese Aussage überrascht angesichts der ausdrücklichen Regelung der Baukultur bei den Zielen und Belangen, die beim Erlass von Bebauungsplänen , zu berücksichtigen sind (§ 1 Abs. 5 Satz 2 und § 1 Abs. 6 Mr. 5 Baugesetzbuch). Im auflagenstärksten Kommentar zum Baugesetzbuch heißt es dazu: Baukultur wird dabei nicht nur als ästhetische Angelegenheit bezeichnet, sondern als städtebaulich-gestalterischer Anspruch mit vielen Qualitätsaspekten und dem über die technischen und ökonomischen Belange hinausreichenden Qualitätswillen sowie durch die Bereitschaft zu verstärkter interdisziplinärer Zusammenarbeit und Beteiligung Betroffener.

 

Weiterer Lesebrief zu dem Artikel:

Leserbrief an den Tagesspiegel am 11.07.2014

Sehr geehrte Redaktion,

das Gespräch "Schönheit kann ich nicht verordnen" mit Regula Lüscher habe ich aufmerksam gelesen. - Ohne auch nur annähernd auf Einzelheiten eingehen zu können - Einige Aussagen möchte ich kritisch hinterfragen. Frau Lüscher wünscht sich für Berlin eine "andere Planungs- und Diskussionskultur". Ihre Worte hören sich schön an. Im Alltag bleibt ein schales Gefühl. Auch Frau Lüscher lässt wichtige Fragen der Stadtentwicklung in kleinen (ihre privaten ästhetischen Vorlieben unterstützenden) Zirkeln entscheiden.

Eine ergebnisoffene öffentliche Diskussion ist eher nicht das Ziel. Statt substanzieller Diskurse - eine kontrovers und offen geführte Debatte (auch der Bund muss an der Hauptstadt-Debatte beteiligt werden vgl. u.a. Edzard Reuters Beitrag "Jenseits von Posemuckel") könnte die Inhalte der Planungsaufgabe oder den Umgang der Akteure miteinander nachhaltig gelingend verändern - wird eine Bürgerbeteiligung inszeniert, die Teilhabe an Meinungsbildung und Entscheidungen suggeriert ohne dies einlösen zu können. De facto bleiben viele Ergebnisse dieser Prozesse ohne wesentlichen Einfluss auf die Stadtentwicklung und verändern auch die eingespielten Mechanismen der lokalen Politik und Verwaltung nicht. Die Inflationierung nachhaltig wirkungsloser Teilhabeverfahren könnte Planungs- und Politikverdrossenheit befördern.

Wer sich in Bezug auf die historische Mitte Berlins für eine Wiedergewinnung von Kleinteiligkeit, Nutzungsmischung, einen Rückbau von Straßen und maßstabsprengenden technischen Großbauten engagiert wird - von den unentwegten Puristen, Funktionalisten und Frau Lüscher, die sicher nicht "die Stadtgesellschaft als Ganzes" vertreten - als Nostalgiker diffamiert.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Erich-Delattre Hamburg-Altona, den 11.07.14