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Zum Artikel: "Zurück in die Vergangenheit" von Frau Sabine Gundlach vom 29.12.14 - Leserbrief an die Berliner Morgenpost von Dr. Peter Heynert am 12.01.2015

Dass die Berliner Morgenpost diesen Artikel präsentiert ist lobenswert. Es sei allerdings bemerkt, dass der Titel des Artikels eine gewisse Distanz zur Historie erkennen lässt, die aber bei Weitem nicht die Antihaltung erreicht, mit der der Tagesspiegel das Humboldtforum jahrelang begleitete. Der Artikel weckt aber die Assoziation, dass nur die Gesellschaft Historisches Berlin(GHB), also eine Minderheit, sich für eine historische Lösung interessiert. In der Tat handelt es sich jedoch um eine Aufgabe für die gesamte Bürgerschaft.
Die Ablehnung von "Geschichte", die auch bei der Mehrzahl der Medien wohlfeil ist, hat insbesondere auch provinzielle Züge: Sie basiert in diesem Falle auf der schon sehr alten Sucht in Berlin immer das Neueste- angeblich Modernste- haben zu wollen, das Eigene zu vernachlässigen, ja sogar zu verachten, um damit vermeintlich Modernität und Weltoffenheit präsentieren zu können. Im Prinzip handelt es sich dabei aber um eine "Macke", die es in einer offenen Gesellschaft endlich zu überwinden gilt. Denn wo mit dem "Pfund der Vergangenheit" gewuchert werden könnte, sieht man heute in der Regel - bis auf Ausnahmen- vor allem nur Kleinkariertes.

Den Gegnern einer historischen Lösung für die Historische Mitte sei noch gesagt, dass der Reiz des heutigen Berlin vor allem aus dem Gegensatz zwischen .Neuern" und "Altem" besteht. Denn gäbe es nur Neubauten würde dieses Spannungsverhältnis nicht mehr da sein und Berlin würde man nur als eine langweilige Siedlung wahrnehmen.

Es stimmt, Berlin ist durch seinen Jahrhunderte alten Modernisierungswahn nicht gerade gnädig mit seinem baulichen Erbe umgegangen. Nicht nur Herr Hoya und die GHB plädieren für den Wiederaufbau des .Neuen Marktes", sondern auch große Teile der Bürgerschaft, die eine moderne Lösung an dieser Stelle ablehnen, abgesehen davon, dass die sog. Moderne bei historischen Aufgaben überfordert ist.
Es geht darum, den baulichen Nachweis zu bringen, dass Berlin auch auf "Geschichte" zurückblicken kann, dass es vor den Diktaturen, die die Mitte " weitgehend ausgelöscht hatten, auch etwas Einzigartiges besaß, ein historisches Zentrum. Es ist die Aufgabe der Heutigen, diese "Vergangenheit" ansatzweise wiederzugewinnen, um Berlin von dem Makel der scheinbaren Geschichtslosigkeit zu befreien. Im Gegensatz zum Büro Monsigny, das die "Geschichte" im Bereich Marienkirche in Form einer einfachen Parzellenkennzeichnung sichtbar machen möchte, sieht der Lösungsentwurf für den "Neuen Markt" der GHB eine Wiederherstellung in Anlehnung an frühere Strukturen aus dem 17.Jahrhundert vor.
Damit werden Aufenthaltsräume geschaffen, die nicht nur einen Beitrag zur Identität von Berlin bieten, sondern die mit modernen Nutzungsformen bespielt werden können und die damit für die moderne Stadtgesellschaft attraktiv sind. Das Nachzeichnen von alten Grundrissen wirkt dagegen einfallslos. Es liefert keinen Raum für neue Nutzungen und die geschaffenen Räume entbehren nicht einer gewissen Sterilität.
Natürlich ist es nicht möglich, Altberlin wiedererstehen zu lassen. Aber an einigen Stellen, z.B. in der Historischen Mitte, sollte es nach Meinung vieler Berliner wieder ansatzweise sichtbar gemacht werden.
Ein Bezug zur "Geschichte" wird dabei durch die ursprüngliche Parzellenstruktur und den Wiederaufbau einiger wichtiger Leitbauten hergestellt, während die alleinige Kennzeichnung der Parzellen aus den oben genannten Gründen verworfen werden sollte.
Bei der sehr unterschiedlichen Interessenlage der Mitspieler dürfte die Gestaltung der Historischen Mitte eine sehr schwierige Aufgabe werden.
Ob die Senatsbaudirektorin, Frau Regula Lüscher, dieser Aufgabe gewachsen ist, bleibt eine offene Frage. -Die Prognose ist eher negativ, da Lüscher sich indifferent verhält, über keinerlei Visionen verfügt und einer überholten Bauauffassung, der des Modernismus, hinterherläuft.