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Leserbrief zum Artikel von Ulf Meyer in der FAZ vom 15.3.17: Berliner Bauakademie. Soll Schinkel am Wettbewerb teilnehmen?

Seit Jahrzehnten freut sich die Bürgerschaft auf den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie. Nachdem die Politiker das Bauvorhaben blockierten, entsprachen nun die Haushaltspolitiker des Bundestages dem Bürgerwillen. Nun treten hochrangige Vertreter der Berliner Kulturszene auf den Plan. Schinkel soll in einem Wettbewerb gegen die Moderne antreten!
Es soll herausgefunden werden, wie ein Gebäude auszusehen hätte, das alle Bedingungen, wie die Realisierung eines Bauprogramms mit modernsten Anforderungen des Baugesetzbuches, des Klimaschutzes, der Behindertengerechtigkeit und der gastronomischen Bedürfnisbefriedigung der Nutzer und Besucher erfüllt.

Das heißt aber im Klartext: Schinkel ade. Was kümmert uns das Geld des Steuerzahlers, wir machen sowieso, was wir wollen.
Dies ist das Ergebnis des „Statusforums“, mit dem die Bundesstiftung für Baukultur eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zur Bauakademie im Berliner Kronprinzenpalais gestartet hat. Das große Interesse zeigte, wie viele Erwartungen sich an dieses seit Jahrzehnten geplante, von der Politik immer aufs Neue blockierte Bauvorhaben knüpfen. Denn Schinkels Bauakademie ist die Ikone der architektonischen Moderne.

Schinkel zeigte als erster vor mehr als 180 Jahren, wie sich zweckrationale und ästhetische Ansprüche in einem neuen Bautyp vereinen lassen. Wenn dies an der wieder aufgebauten Berliner Bauakademie erfahrbar sein soll, dann kann es nur um Schinkel ohne wenn und aber gehen, um eine Rekonstruktion des Originals im Maßstab 1:1. Frau Lüscher und ihre Architektenkollegen müssen die Form nicht neu denken. Eine Überformung, die nur noch die Kubatur aufnimmt, aber nichts mehr mit ihrer Sinngebung zu tun hat, lehnt die Bürgerschaft mehrheitlich ab.

Gerhard Hoya
Vorstandsvorsitzender der
Gesellschaft Historisches Berlin e.V.