Gesellschaft Historisches Berlin e.V. - AKTUELL

AUSGABE 2020 - NR. 10 - Berlin, den 05.10.2020

Rückblick und Ausblick

Vor 100 Jahren trat das „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ am 1. Oktober 1920 in Kraft. Eine langjährige Auseinandersetzung über die Vergrößerung Berlins lag hinter den politisch Verantwortlichen.

Am 3. Oktober jährt sich die deutsche Einheit zum dreißigsten Mal.
Für die meisten waren es emotionale Erlebnisse.
Mit dem Gesetz über die Bildung von Groß-Berlin und dem Einigungsvertrag - ein aus neun Kapiteln und 45 Artikeln bestehendes Mammutwerk mit zahlreichen Anlagen – verbanden sich viele Hoffnungen.

Berlin 19201920 begann der Aufstieg Berlins zur Weltstadt.

In Mitte schlug das Herz der mächtigen Hauptstadt Preußens. Hier flanierte die Oberschicht. Man ging in die Oper oder ins Theater, in der Friedrichstraße reihten sich die florierenden Geschäfte aneinander und auf den Trottoirs lüfteten die Herren den Hut. Ob man in diesen Sphären die Eingemeindung des Umlandes zu einem Stadtmoloch mit knapp vier Millionen Einwohnern wohl begrüßt hat?

Die Infrastruktur wurde trotz instabiler politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse zügig ausgebaut. In den neuen Vierteln wurden moderne Wohnungen gebaut. Die hygienischen Verhältnisse verbesserten sich.
Der 2. Weltkrieg und die folgende Teilung beendeten diese Entwicklung. Kriegszerstörungen und Wiederaufbaumaßen mit Flächenabrissen zerstörten das Stadtbild bis zur Unkenntlichkeit.

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Nach der Wiedervereinigung hofften viele Bürger in Ost wie in West auf einen Wiederaufbau –nicht nur in der Mitte- im Sinne einer behutsamen Stadtreparatur. Bis heute nicht enden wollende Diskussionen –insbesondere mit Politikern des linken politischen Spektrums und mit Anhängern des sozialistischen Städtebaus- verhindern den Neubau von Wohnungen, Gewerbebauten und Verkehrsanlagen, der der Nachfrage entspricht. Planungen in der historischen Mitte wie in anderen Bezirken werden blockiert. Der Bebauungsplan „Molkenmarkt und Klosterviertel“ wurde 15 Jahre lang bis zu seiner Rechtskraft diskutiert. Parzellengröße und Architektur sind aber immer noch strittig. Die Straßenrück- und Umbauten erfolgten bisher nicht.

Trotz einer ablehnenden Haltung des Senats zu Bauinvestionsschenkungen des Bundes (z. B.: EUR 10 Mio. für die Umsetzung des Neptunbrunnens) investierte die Bundesregierung Milliarden in Regierungsgebäude und Kulturbauten, wie Bundeskanzleramt, Reichstag mit zusätzlichen Bürogebäuden, Innenministerium und andere Ministerien, Bundesnachrichtendienst, Schloss mit Humboldtforum, Staatsoper, Museumsinsel, Naturkundemuseum usw.

schraegluftbild aus nordw richtungDer Lückenschluss der U 5 erfolgt nun endlich mit 20-jähriger Verspätung, weil der Senat sich viele Jahre weigerte, einen Vertrag mit dem Bund – mit nur einer 30 %-tigen Co-Finanzierung Berlins- umzusetzen.

Der Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs wurde vernachlässigt und nicht einmal der Vorkriegszustand wiederherstellt. Anders als in anderen europäischen Metropolen wie Paris und London wurde der U-Bahnbau in Berlin eingestellt.

Viele Hoffnungen haben sich nicht erfüllt.

Die jetzige Stadtentwicklungspolitik des Senats führt zu chaotischen Verhältnissen am Wohnungsmarkt. Für den Ausbau der Infrastruktur gibt es keine in die Zukunft weisende Planung. Auf die Fahrbahn gemalte Radwege teilen nicht sinnvoll den öffentlichen Raum auf.

Die GHB fordert eine Vereinbarung unter Beteiligung aller Verkehrsteilnehmer über die verkehrsgerechte Aufteilung des öffentlichen Raumes.
Die Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum ist mit marktwirtschaftlichen Maßnahmen vorzunehmen. Auf in der DDR gescheiterte planwirtschaftliche Methoden ist zu verzichten. Einkommensschwachen Bevölkerungsschichten ist ein Wohngeld zu zahlen. Dies verhindert einkommensnivellierte Wohnquartiere. Dann haben private Investoren wieder Interesse, Wohnraum zu schaffen und die übliche Fehlbelegung vom Staat mit ca. € 50.000 subventionierten Sozialwohnungen unterbleibt. Architekten werden im Auftrag einer Vielzahl von Bauherren den Gebäuden ein anderes vielfältigeres Aussehen geben als städtische Wohnungsbaugesellschaften.

Auf unsinnige finanzielle Förderung von Stadtentwicklungsprojekten wie den Umbau des Spreekanals zu einem Flussbad, provisorischen Umbau von Straßen für alle Verkehrsteilnehmer zu Fußgängerzonen mit breiten Radwegen und anderen Rückbauten ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft.

Eine Umkehr in der Stadtentwicklungspolitik ist dringend geboten!

 



Vorträge und Termine der GHB

Liebe Mitglieder und Interessierte,

Aufgrund der geltenden Abstandsregeln ist die Teilnehmerzahl bei allen Führungen limitiert. Weitere am Termin geltende Regeln wie Maskenpflicht und Mindestabstand sind zu beachten.

Sie können sich über unsere regelmäßig aktualisierte Website informieren, ob unsere Veranstaltungen stattfinden.

Bleiben Sie gesund!
Ihre GHB


Die Führungen und Vorträge sind für alle Mitglieder kostenfrei; Nichtmitglieder werden gebeten; eine Spende zu leisten.


nl200909 FriedhofSonnabend, 10. Oktober 2020, 11:00 Uhr
KLEINARCHITEKTUREN AUF DEM FRIEDHOF HALENSEE
Führung: Dr. Jörg
Treffpunkt: Bornstedter Straße, Berlin-Grunewald

Anmeldung erforderlich unter Angabe des Vor- und Zunamens, der Adresse und der Telefonnummer bis Dienstag, den 06. Oktober 2020 per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Teilnehmerzahl von der GHB ist auf 12 Personen beschränkt.

Über eine stählerne Brücke führt der Weg von der Bornstedter Straße über die Gleise der S-Bahn auf den 1892 angelegten Friedhof der Kolonie Grunewald. Die von der Gleisführung erzeugte Insellage trug dem Begräbnisplatz der wohlhabenden Bürger den von Böcklins gleichnamigem Gemälde abgeleiteten Namen „Toteninsel“ ein.
An den Umfassungsmauern reihen sich die aufwendig geschmückten Wandgräber, aber auch entlang der Wege lassen sich im Innenbereich viele künstlerisch bemerkenswerte Grabmäler finden, darunter eine Stele mit dem Kopf einer antiken Göttin, früher Schmuck im Sudermannschen Garten in Blankensee. Der einst bekannte Schriftsteller ruht seit 1928 ebenso hier, wie der Bildhauer Otto Lessing, der Reichsfinanzminister Bernhard Dernburg und der Historiker Hans Delbrück. In der Kaiserzeit bekannte Künstler wie Hans Dammann, Max Seliger und Alfred Grenander schufen sehenswerte Grabkunst, deren optisches Zentrum die 1894 von Zaar & Vahl errichtete Kapelle bildet.

 


nl200909 BerlinkarteMittwoch, 21. Oktober 2020, um 19:00 Uhr
GROSS-BERLIN 1920
Vortrag: Dipl.-Ing. Horst Peter Serwene
Ort: ZLB (Alter Marstall), Breitestraße 30 – 36, 10178 Berlin, Berlinsaal

Anmeldung erforderlich unter Angabe des Vor- und Zunamens, der Adresse und der Telefonnummer bis Freitag, den 16. Oktober 2020 per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Teilnehmerzahl von der GHB ist auf 12 Personen beschränkt.

Mit der Reichsgründung 1871 und der Industriealisierung entwickelte sich ein großer Ballungsraum, dem eine koordinierte Infrastruktur fehlte. Nach dem sich 1911 ein „Zweckverband“ als nicht ausreichend erwies, wurde gegen große Widerstände das neue Stadtgebiet (Groß-Berlin) mit 878 km2 und 3,8 Millionen Einwohnern am 25. April 1920 gebildet. Das neue Gebiet wurde ein eigener Regierungsbezirk mit 20 neuen Bezirken. Die Verfassung von Berlin aus dem Jahr 1950 nannte die Stadt nur noch Berlin. Das Stadtgebiet erfuhr bis heute nur wenige Grenzänderungen (Gebietsaustausch). Nach der Bezirksreform 2001 wurde durch Zusammenlegungen (Friedrichshain-Kreuzberg....) die Anzahl der Bezirke auf 12 reduziert.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Berlins soll dargestellt werden.

 



DIE GHB BRAUCHT SIE!

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte,

seit 1991, kämpft die GHB unentwegt für ein schöneres und lebenswerteres Berlin. In dieser beachtlichen Zeit konnten wir vom Engagement vieler Mitgliedern profitieren, deren ehrenamtliche Tätigkeit all die Aktionen, Projekte, Führungen und Lesungen ermöglichten.

Doch die Zeiten verändern sich, Vereine wie die GHB finden leider - und das müssen wir an dieser Stelle ganz ehrlich zugeben - nicht mehr die Beteiligungsbereitschaft wie noch vor 15 Jahren.

Uns fehlt das „Vitamin M“ - Menschen die sich bereit erklären auch in Zukunft, aktiv Projekte mitzugestalten und der GHB ein dynamisches Profil zu verleihen.

Melden Sie sich bei uns, damit wir auch in Zukunft der Kultur- und Geschichtsverdrossenheit unserer Zeit die Stirn bieten können. Für ein lebenswertes Berlin mit Anspruch auf Schönheit und Baulichen Mehrwert.

Geschäftsstelle der Gesellschaft Historisches Berlin e.V.
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