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Berlin, den 23.08.2016

Berlins Bauverwaltung plant Wohnungsbau nach alten Planungsprinzipien, die außerhalb Berlins in der Fachwelt als „Ladenhüter“ angesehen werden. Bausenator Geisel sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf, Wohnungsbau in der Innenstadt zu planen. Obwohl die Berliner in die begehrten Quartiere in der Innenstadt drängen, verzichtet Herr Geisel nicht nur am Leipziger Platz sondern auch auf den Brachen in der Historischen Mitte darauf, Wohnungen zu errichten. Die Hauptstadt Deutschlands, die sich als urbanste Stadt anpreist, gönnt sich im historischen Kern eine Brache von mehr als 100.000 m2. Stattdessen plant die Bauverwaltung einen Wohnungsturm an einer von Lärm überlasteten Straße Mühlendamm gegenüber dem historischen Zentrum des alten Cöllns. Vielen Grünen und Linken Politikern ist die derzeitige Dynamik der Stadt zu stark. Sie verteidigen die unbebauten Großflächen im historischen Kern der Stadt.

Die Senatsbaudirektorin Lüscher weigert sich nach wie vor zur Kenntnis zu nehmen, dass der Wohnungsbau aus der Retorte sich als eine der größten Fehlinvestitionen der Baugeschichte erwiesen hat. Aus den Schlafstädten Marzahn, Hohenschönhausen, Hellersdorf und anderen großen Siedlungskomplexen strömten die Menschen zurück in die Innenstadt. Wohnungen von Struktur wurden zurück gebaut. Der Wohnungsbestand in der gründerzeitlichen Innenstadt wurde aktiviert. Da die Nachfrage nach diesen Innstadt-Wohnungen größer ist als das Angebot, steigen die Mieten unverhältnismäßig schnell.

Es stellt sich nunmehr die Frage, wann die Senatsbauverwaltung endlich dem Wunsch der Menschen entsprechen wird, in der Innenstadt wohnen zu wollen. Planungsvorschläge gibt es genug. Der renommierte Stadtplaner und Architekt Bernd Albers hat für das Quartier zwischen Fernsehturm und Spree und für den Spreebogen jeweils eine Bebauung mit ca. 2000 Wohnungen vorgeschlagen. Auch in der kürzlich zu Ende gegangenen vom Senat gelenkten Stadtdebatten-Veranstaltung, hat die Gesellschaft Historisches Berlin e.V. Vorschläge für eine Bebauung in der Historischen Mitte unterbreitet. Leider verschließt sich die Senatsbauverwaltung aus ideologischen Gründen diesen Vorschlägen.

Die Gesellschaft Historisches Berlin e.V. fordert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf, sich von der Verherrlichung des DDR-Städtebaus und von den Planungsideen der Vergangenheit zu verabschieden und für den Stadtkern in Berlin eine moderne Stadtentwicklungsplanung vorzulegen.

Gerhard Hoya
Vorstandsvorsitzender