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Mittwoch, 8. April 2009 - Von Thomas Fülling

Mit einem eigenen Vorstoß hat die Berliner CDU die Debatte über die künftige Gestaltung des Verkehrs auf der Museumsinsel und am Schloßplatz neu entfacht. Ihr Verkehrsexperte Rainer Ueckert schlägt vor, Lustgarten und künftiges Humboldt-Forum mit einer Brücke zu verbinden.

Der "Skywalk" würde Fußgängern den Wechsel über die Straße erlauben, ohne dass der Autoverkehr gestört werde. Touristen erhielten zudem eine Aussichtsplattform, von der aus sie die umliegenden Sehenswürdigkeiten wie Berliner Dom, Deutsches Historisches Museum oder das bis 2014 wieder aufgebaute Schloss betrachten könnte.

Das Verkehrskonzept des Senats für Museumsinsel und Schloßplatz bezeichnet Ueckert dagegen als "absolut untauglich"; eine erträgliche Verkehrsführung des Individualverkehrs sowie von Bussen und Schwerlastverkehr wäre damit unmöglich. Mit der geplanten Tempobeschränkung sei zudem der Stau programmiert, so Ueckert.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte, wie berichtet, am Montag ihre Vorstellungen für die künftige Gestaltung der Verkehrsströme in "Berlins neuer Kulturmitte" vorgestellt. Darin wurde eine autofreie Zone, wie sie der Automobilklub ADAC und der Förderverein Berliner Schloss für das Gebiet zwischen Humboldt-Forum und Museumsinsel vorgeschlagen hatten, strikt abgelehnt. Stattdessen will Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) in diesem Bereich die Karl-Liebknecht-Straße auf etwa 80 Meter Länge aufpflastern und so verkehrsberuhigen lassen. Vorbild dafür ist der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Doch anders als dort will der Senat am Humboldt-Forum weiterhin Auto-Durchgangsverkehr zulassen. Mithilfe von zwei Ampelanlagen und einer breiten Mittelinsel soll aber gesichert werden, dass Fußgänger weiter die sechsspurige Karl-Liebknecht-Straße bequem überqueren können. Der Senat rechnet für diesen Bereich mit einem weiteren Ansteigen des Autoverkehrs von derzeit 32 000 auf dann 35 000 Fahrzeugen pro Tag.

Die Verkehrsexpertin der Grünen, Claudia Hämmerling, kritisiert die Pläne der Senatsverwaltung als "Konzept der Beliebigkeit". Konventionelle technische Instrumente der Verkehrsplanung wie Ampeln und Mittelinsel würden der Bedeutung des Ortes nicht gerecht werden. Ampeln würden Staus produzieren, die überflüssig seien. "Dem Senat fehlen der Mut und die Fantasie, diesen bedeutenden zentralen Ort durch ein modernes Verkehrskonzept aufzuwerten", so Hämmerling. Die Grünen-Abgeordnete forderte den Senat auf, die Einrichtung einer Begegnungszone ("shared space") zu prüfen, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt seien. Das Konzept sei europaweit bewährt und würde Staus und Unfälle erheblich reduzieren.

Die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) stimmt den Vorstellungen des Senats für die Gestaltung des Pkw-, Fußgänger- und Radfahrerverkehrs zu. Für "nicht praktikabel" hält der Bürger-Verein jedoch das Senatskonzept für den Reisebusverkehr. Dieses sieht vor, dass - voraussichtlich ab 2011 - nur noch zuvor angemeldete Busse direkt vor den Haupteingang der Museumsinsel vorfahren dürfen.

"Dem Senat fehlen der Mut und die Fantasie, das Humboldt-Forum durch ein modernes Verkehrskonzept aufzuwerten"