In drei Entwurfskategorien gibt es jeweils 1.000,- € zu gewinnen

Der als am beispielhaftesten empfundene Entwurf wird mit einer noch höheren Summe prämiert

An die Studierenden der Berliner- und Brandenburgischen Hochschule aus den Bereichen Architektur, Städtebau und Bauwesen:

Die Gesellschaft Historisches Berlin e.V. lädt herzlich zu einem freien Entwurfswettbewerb zur Neugestaltung der ehm. Friedrichsgracht, heutigen Fischerinsel, anhand eines von der GHB entworfenen „Bebauungsplan“ ein.


1. Zur Gesellschaft Historisches Berlin e.V

aktuell
verortung

Seit nunmehr 26 Jahren definiert saich die „Gesellschaft Historisches Berlin e.V.“ als großer Interessent und Förderer der Architektur und des Städtebaus.

Hierbei treten wir für eine Bauentwicklung ein, die in ihrer gesamten Gestaltung unsere multikulturelle, über Jahrhunderte gewachsene Stadtbaukultur- und Ästhetik einbezieht und fortführt.

Funktionale, gesellschaftliche und bauliche Qualitäten, die sich seit jeher bewährten- und ortsgebundene Identität schufen, werden vielerorts seit über 70 Jahren bewusst ignoriert, konterkariert und zersiedelt. Um dieser, bis heute andauernden Entwicklung entgegenzutreten, ist die GHB stets bemüht, im politischen, wie kulturellen Kontext Aufmerksamkeit zu gewinnen.
So macht die GHB Politik und Bauträger auf Alternativen aufmerksam, die diese, sei es aus Unwissenheit oder Ignoranz in der städtebaulichen Debatte übergehen.

In einem von 2016 bis 2017 von der GHB abgehaltenen Workshops wurden die baulichen Strukturen der Berliner Innenstadt analysiert. Auf der Basis dieser Analyse hat die GHB einen „Bebauungsplan“ für den südlichen Abschnitt, der heute sogenannten „Fischerinsel“- ehemaligen Friedrichsgracht, entworfen, der dem Wettbewerb als Grundlage dient.

Bebauungsplan

„Bebauungs-“, bzw. Parzellenplan nach Vorstellung der GHB

(Grundlage für die Wettbewerbs-Entwürfe)

 


2. Termine & Veranstaltungen

Die Studierenden sind dazu eingeladen den von der GHB angebotenen Vorträgen beizuwohnen, um sich über die Situation Vorort, aber auch über die Thematik des „Entwerfen in Anlehnung zur gewachsenen Stadt“ zu informieren.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenfrei!

EINFÜHRUNGSVERANSTALTUNG/START ZUM WETTBEWERB FRIEDRICHSGRACHT
Donnerstag, den 18. Januar 2018, um 18.00Uhr
Ort: Am Zirkus 6 in 10117 Berlin

Hier werden alle Anforderungen und Grundlagen des Wettbewerbs erneut vorgestellt und evtl. Fragen können beantwortet werden.

Der Wettbewerb beginnt offiziell mit dieser Veranstaltung

DER UMGANG MIT UNSERER BAULICHEN IDENTITÄT
Wettbewerbsbegleitende Vorträge

Prof. Bernd Albers ( FH Potsdam) , Hr. Marc Jordi

 

Dienstag, 13. Februar 2018 um 19.00Uhr
Ort: Säulensaal der ZLB, Breitestraße

Vortragsschwerpunkte werden der Umgang mit verlorenem Stadtraum, sowie die Schöpfung zeitgemäßer Architektur nach historischen Gestaltungsprinzipien sein.

Im Rahmen des von der GHB initiierten Entwurfswettbewerbs  „Friedrichsgracht-Berlin“ laden wir zu einem Vortragsabend ein, in dem insbesondere, die am Wettbewerb teilnehmenden Studierenden, für den Umgang mit historischen Gestaltungsprinzipien sensibilisiert werden sollen. Im Vordergrund steht die Stadtverdichtung auf Grundlage der "gewachsenen europäischen Stadt“ und das architektonische Entwerfen in Anlehnung verlorengegangener Gestaltungsweisen.

 

ABGABETERMIN

für alle Unterlagen zu dem Wettbewerb ist der 30.MÄRZ 2018

Die Studierenden sind herzlich dazu eingeladen, auch an anderen Veranstaltungen der GHB teilzunehmen.


3. Wettbewerbsgegenstand

Wie aus dem von der GHB entwickelten „Bebauungsplan“ ersichtlich, ergeben sich mehrere, teils sehr unterschiedliche, entwerferische Herausforderungen, weshalb wir die Entwurfsaufgaben in drei Situationen unterteilt haben, die frei gewählt werden können.

Das Haus in der Reihe - Hier sollen mindestens 2 Nebeneinanderliegende Häuser entworfen werden. Die Straßenbündige Fassade sollte zwischen 8-10m betragen, in der Tiefe sollen 14m nicht überschritten werden.

DOWNLOAD Entwurfsituation 1 (PDF)

Das Haus an der Ecke - Hier Richtet sich das Bebauungsmaß nach der jeweils gewählten Parzelle.

DOWNLOAD Entwurfsituation 2 (PDF)

Das Haus im Haus - Die anspruchsvollste Entwurfsaufgabe: Hier wird eine Einbindung der bestehenden Hochhäuser in eine neue Blockbebauung erwartet. Ein Reduzierung der Höhe ist ausdrücklich gewünscht. Die Grundrisse sollten hier insbesondere im Bereich der angefügten neuen Bauteile verändert- und auch in den Plänen dargestellt werden.

DOWNLOAD Entwurfsituation 3 (PDF)

LINK zu den Hochhausplänen (Entwurfsituation 3)

DOWNLOAD „Bebauungsplan“ (DWG & dxf als ZIP Archiv)


4. Bauleit- & Nutzungsrichtlinien

Die WettbewerbsteilnehmerInnen sind dazu aufgefordert, gleich welche Bausituation gewählt wird, die Bauleitlinien wie sie von der GHB im folgenden aufgestellt wurden zu berücksichtigen.

Es sind Abweichungen gestattet, jedoch sollten sich die eingereichten Entwürfe insbesondere mit der Wieder-annäherung einer historischen Baustruktur auseinandersetzten!Der einmal vorherrschende „Genius Loci“, d.h. die bauliche Mentalität und Qualität diese Ortes, soll hier wiederentdeckt und für eine neue Bebauung verwendet werden, um so wieder eine Urbanität zu schaffen, die einer Europäischen Metropole würdig ist. Um Ihnen hier eine Orientierung mit an die Hand zu geben, hat die GHB folgende Richtlinien aufgestellt:

Gestaltungsrichtlinien

  • Die zu entwerfenden Häuser sind zur Straßenseite und zur Nachbarbebauung bündig zu planen.
  • Außer bei Entwurfsituation 3, sollten die Geschosszahl von 4 Stockwerken nicht überschritten werden
  • Nebeneinander liegende Gebäude (Entwurfsituation 1 ) sollten unterschiedliche Erdgeschosshöhen aufweisen, um so eine heterogene Geschosslinie im Straßenzug zu erzeugen (Es ist freigestellt, alternativ eine Sockelzone einzuziehen)
  • Die Gebäude sollen ein Satteldach mit einer Neigung von min. 35° bis max. 45° aufweisen ( wahlweise können auch Mansardendächer geplant werden, hier darf die untere Mansarde selbstverständlich eine steilere Neigung aufweisen)
  • Die Häuser sind Traufständig zur Straßenlinie zu planen
  • Stehende Fensterformate sind gewünscht
  • Es ist von Glas/Stahl- oder reinen Holzfassaden abzusehen.
  • Eine volle Rekonstruktion wird nicht als Entwurf angenommen.

Nutzungsrichtlinien

Es ist vorrangig eine Wohnnutzung zu planen. Gewerblich genutzte Flächen sind gestattet, sollten aber nicht mehr als 1/3 der Gesamtfläche einnehmen. Ob hier Geschäfte, gastronomisch genutzte- oder Büroflächen geplant werden ist den Studierenden überlassen.


5. Geschichtliche Übersicht zur Friedrichsgracht

von Klaus Krause

Zu der frühen Entwicklung der Doppelstadt Berlin und Cölln existieren nach Stadtbränden im Mittelalter kaum urkundliche Hinweise. Im Zusammenhang mit archäologischen Funden und der Stadtstruktur ergibt sich folgendes Bild: Im Siedlungsfreien Raum zwischen den slawischen Stämmen der Sprewanen, Hauptort Köpenick, und der Heveller, Hauptort Brandenburg, siedelten sich ende des zwölften Jahrhunderts Kaufleute an der Kreuzung zweier Handelswege auf beiden Seiten der Spree an. Diese Ansiedlungen erhielten zwischen 1220 und 1226 durch die gemeinsam herrschenden Markgrafen Johann I. und Otto III. das Stadtrecht. Die Doppelstadt Berlin – Cölln war entstanden. Die beiden Städte erhielten Stadtmauern und Tore.

Friedrichsgracht 1901
Friedrichsgracht 1901

Der Handel verlief auf der Spree als Wasserweg und einem Landweg, der hier die schmalste Stelle des Warschau-Berliner Urstromtals zwischen den trockenen Höhenzügen Teltows im Süden und Barnim im Norden überwand. Sandinseln begünstigten eine Ansiedlung. Auf einer dieser Sandinseln entstand die Petrikirche mit Friedhof und Markt, der Petriplatz. Zwischen Petriplatz und Uferzone im Bereich der späteren Friedrichsgracht wurden Wege angelegt, an denen Kaufleute siedelten, die sowohl den Landweg als auch den Wasserweg nutzten. Die Spree diente insbesondere als Verbindung ins slawische Land.

Die wichtigsten Straßen nach der Gertraudenstraße waren die vom Petriplatz bzw. Mühlendamm zum Spreekanal (seit dem 17. Jahrhundert Friedrichsgracht genannt) verlaufenden Verbindungen; Roßstraße mit dem Köpenicker Tor, Grünstraße und die Fischerstraße. Parallel zu diesen verliefen auch die Petristraße und An der Fischerbrücke. Quer dazu gab es noch die Ritterstraße und die Schornsteinfegerstraße (im 19. Jahrhundert wurden Gassen in Straßen umbenannt). Dieses Straßennetz gab dem Gebiet eine Struktur, die über 700 Jahre bis in die 1960er Jahre existierte. Im 17.Jahrhundert wurde das Ufer des Spreekanals hölzern verschalt, als Uferstraße kam die Straße An der Friedrichsgracht hinzu.In dem Bereich entstanden in mehreren Jahrhunderten unterschiedliche Gebäude, von einfachen Giebelhäusern bis hin zu reich ausgestatteten Palais.

Straubeplan

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Ortslage keine flächenmäßige Zerstörung. Nach damaliger Einschätzung konnten 40–50 % der Gebäude dieses Bereichs wieder aufgebaut werden. Im Flächennutzungsplan von 1955 wurde die Reparatur der erhaltenswerten Bausubstanz festgelegt. Das Viertel mit allen zu restaurierenden Baudenkmalen sollte nach der Planung des Magistrats von Ost-Berlin unter Bewahrung der Straßenzüge und der Grundstücksgrenzen als Wohngebiet bis 1965 wiederaufgebaut werden. Chefarchitekt Hermann Henselmann beauftragte 1957 die „Planung der städtebaulichen Reorganisation des Stadtviertels am Fischerkiez“. Das Konzept von Hans Schmidt und Georg Münter kombinierte den Neubau von viergeschossigen Gebäuden mit der Sanierung der historischen Häuser.

Luftansicht

Jedoch erfolgte nach dem Plan zum „Aufbau des Zentrums der Hauptstadt der DDR von 1962“ ab 1966 eine „Kahlschlagsanierung“ ohne baugeschichtliche Untersuchungen. Unter dem frei erfundenen Namen „Fischerinsel“ entstand eine Mustersiedlung aus Hochhäusern (Architekt Helmut Stingl). Am Petriplatz wurde eine architektonisch interessante Betriebskantine -„das Ahornblatt“, als Solitär errichtet.

Der durch diese Baumaßnahmen südlich aufgerissene Petriplatz hatte somit keine städtebauliche Fassung mehr.

Von diesem Bereich des Ursprünglichen Cöllns existierte hiernach nur noch die hölzerne Verschalung des Ufers der Friedrichsgracht und einige Nachbildungen (die Häuser Friedrichsgracht 14, jetzt am Märkischen Ufer, das Ermelerhauses, und die Gaststätte „Zum Nußbaum“(ursprünglich Roßstraße Ecke Schornsteinfegergasse, jetzt im Nikolaiviertel)

Die Grundmauern aus mehreren Jahrhunderten liegen immer noch unsichtbar unter den faden Grünflächen und Parkplätzen der sogenannten „Fischerinsel“. Am Cöllnischen Fischmarkt, an der Ecke Mühlendamm - Roßstraße sind einige Reste z.Zt. durch Archäologen freigelegt.Luftansicht zu Zeiten der DDR (genaues Datum unbek.)

Auf der Fläche stehen Hochhäuser in Gestalt einer auf grüner Wiese errichteten Stadtrandsiedlung. Um das Jahr 2000 wurde begonnen die südliche Flucht der Gertraudenstraße, allerdings um einige Meter zurück versetzt, zu bebauen. Über die Architektur kann diskutiert werden, jedoch wurde begonnen den Petriplatz wieder städtebaulich erkennbar zu machen


6. Layoutvorgaben & Abgabebedingungen

Alle Unterlagen sollen im PDF-Format an die Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! geschickt werden. ( hier kann eine Komprimierungswebsite, wie z.B. Wetransfer, genutzt werden) Alternativ kann der Entwurf auch, auf CD gebrannt, zugeschickt werden.

Ungeachtet welche Entwurfsituation gewählt wird, müssen folgende Ausarbeitungen/Unterlagen in der Abgabe enthalten sein:

  • Der Entwurf ist auf 2 ( Situation 1 u. 2 ) bzw. 3 (Situation 3) A1 Plakate anzuordnen
  • Der Lageplan, wie von der GHB vorgegeben mit Verortung der gewählten Parzelle (1:1000/1:2000) ( DWG/dxf -Datei siehe Link oben)
  • Min. 1 Straßenansichten (min. M:1:100)
  • Min. 1 Hofansicht (min. M:1:100)2 Schnitte (min. M:1:100)
  • Alle relevanten, d.h. sich stark unterscheidende Grundrisse (min. M:1:100)
  • Min. 1 Perspektivische Ansicht
  • Unterschriebene Publikationsfreigabe und Selbständigkeitserklärung (Download)
  • Scan des aktuellen Studienausweises ( PDF-Format)

Gestaltung:

Da es sich um idealistische Entwürfe handelt, werden keine Baudetails erwartet.

Grundriss- und Schnittwände können geschwärzt dargestellt werden. Es wird von den Teilnehmer*Innen erwartet, die jeweils zu den Maßstäben gehörigen Detailierungsgrade einzuhalten.

Perspektiven sollten mindestens als Linienzeichnung mit Eigen- und Schlagschatten dargestellt werden (aufwendigere Darstellungen sind gerne gesehen, aber keine Bedingung!)

Die Pläne können manuell oder digital (mit allen, den Teilnehmer*innen zur Verfügung stehenden Programmen) erstellt werden.

Hier wird allerdings darum gebeten Firmenlogos oder jegliche Art von Werbeanzeigen aus den Plänen zu entfernen!

Zu der Abgabe bitte die unterschriebene Publikationsfreigabe und Selbständigkeitserklärung nebst einem Scan des aktuellen Studentenausweises als Anhang mitschicken!

Die besten Entwürfe werden im Rahmen einer Ausstellung und einer Broschüre veröffentlicht.