Berlin bringt Schinkels Kirche zum Einsturz

Wie beim Großflughafen und beim Tempelhofer Feld: Berlin baut überall auf Sand, auch im Zentrum. Jetzt ruiniert die Stadt im Übereifer ihren schönsten Sakralbau, die Friedrichswerdersche Kirche.
Die Welt vom 12.02.2016 - von Dankwart Guratzsch

Wie weit reicht die Gewährleistungspflicht eines Bauherrn? Die Frage könnte schon bald die Stadt Berlin in eine peinliche Lage bringen. Die einzige komplett erhaltene Kirche Schinkels in der Altstadt Berlins, die Friedrichswerdersche Kirche direkt gegenüber dem Außenministerium, ist womöglich vom Einsturz bedroht – durch behördlich genehmigte Baumaßnahmen auf Nachbargrundstücken. Zwar haben sich die Bauherren der gewaltigen, bis ans Dach der Kirche hinaufreichenden Wohnblöcke verpflichtet, für Schäden aufzukommen. Aber wer wollte entscheiden, wie hoch ihr jeweiliger Anteil an einem möglichen Einsturz des Gebäudes tatsächlich ist? Und ist der Verlust eines Originalbauwerks überhaupt bezifferbar? Einen vergleichbaren Fall hat es noch nicht gegeben.

Friedrichswerdersche Kirche

„Zerstörung mit Ansage“
Die Friedrichswerdersche ist die einzige noch ganz erhaltene Schinkel-Kirche in Berlin. Bald ist sie voll hinter Luxusbauten verschwunden – und durch die Bauarbeiten vermutlich noch stärker beschädigt als ohnehin.
Frankfurter Allgemeine vom 06.02.2016 - DPA

Eine „Zerstörung mit Ansage“ – so nennt der evangelische Pfarrer Stephan Frielinghaus das, was mit der Friedrichswerderschen Kirche von Karl Friedrich Schinkel im historischen Zentrum Berlins derzeit passiert. Das neugotische Gebäude, ein Baudenkmal von besonderem Rang, ist seit 2012 geschlossen, weil der Neubau von Luxuswohnungen in unmittelbarer Nähe zu irreversiblen Schäden geführt hat. Jetzt droht von einem weiteren Großprojekt an der Ostseite abermals Gefahr.

Initiative gegen Neubauten in historischer Mitte

Debatte um historische Rekonstruktion in Berlin - Soll die Brache am Fernsehturm nach historischem Vorbild bebaut werden? Über eine weitere Umgestaltung wird diskutiert. Eine Initiative hat genaue Vorstellungen.
Der Tagesspiegel vom 19.01.2016 - von Ralf Schönball

Was sind sie nicht alles geschimpft worden: Gefolgsleute von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Ostberliner Alt-Linke, geschichtsvergessene Modernisten. Dabei sind sie einfach nur: Bürger – aber solche, die für ihre Stadt brennen. Und deshalb treten sie, berufliche Verpflichtungen hin oder her, sogar an einem Arbeitstag in Mannschaftsstärke an, um ihre Vorstellungen zur Gestaltung der hart umkämpften historischen Mitte vorzustellen. Aber wer verbirgt sich hinter der „Initiative Offene Mitte Berlin“?

Ich wollte ein Zeichen setzen

Schlossbauherr Manfred Rettig im Interview - Manfred Rettig, oberster Manager der Schlossbaustelle, spricht über seine Ausstiegsgründe. Er fordert Kostendisziplin von den Nutzern und wünscht sich mehr Werbung fürs Humboldt-Forum.
Der Tagesspiegel vom 14. Januar 2016 - von Christiane Petz und Ralf Schönball

Herr Rettig, Sie verlassen das Schloss, bevor es eröffnet ist, und bringen sich um die Krönung Ihrer Laufbahn. Warum nur?
Das ist doch nicht die Krönung meiner Laufbahn, das war der Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin, den ich gemanagt habe und bei dem umgerechnet rund 500 Millionen Euro eingespart werden konnten. Das Schlossprojekt hat mich insofern begeistert, als mich die inhaltliche Frage überzeugte. Außerdem waren für mich die Entscheidungen vom Stiftungsrat im Dezember wichtig, dass wir keine Veränderungen an dem Gebäude mehr haben werden. Auch die Gründung der Gesellschaft, die die Gemeinnützigkeit des Humboldt-Forums sicherstellt, ist jetzt vollzogen. Schließlich habe ich seit März 2015 einen Pensionsanspruch und man hat mir keine Spendenquittung gegeben für das, was ich deshalb seither zu wenig verdiene. Ich werde also im Februar einen sauberen Schreibtisch hinterlassen, meinen Resturlaub nehmen und meinen Sohn in Trinidad besuchen.

Berliner Baudebakel - Freizeitpark in Mitte, Wohnpark am Rand

Die Berliner Architekten geben auf und resignieren vor den Interessen der Immobilienbesitzer und Bauverwalter. Die Debatte zur Neugestaltung der Mitte ist erledigt. Rettet die Stadt vor ihren Planern!
Die Welt vom 8. Januar 2015 - Von Dankwart Guratzsch

Die "Berliner Stadtdebatte", mit der über die Gestaltung der Mitte der deutschen Hauptstadt entschieden werden sollte, ist gelaufen, schreibt das "Deutsche Architektenblatt" (Link: http://dabonline.de) , Zentralorgan der Architektenschaft. Und kritisiert: "Es waren mehrheitlich oder laut vertretene Meinungen in zufällig und nicht repräsentativ zusammengekommenen Runden."

Das ist noch milde ausgedrückt. Wie Teilnehmer der "Dialoge" im Umspannwerk am Alexanderplatz berichten, waren die vorderen Sitzreihen von Angestellten der Berliner Bauverwaltung reserviert worden, von denen dann auch die "Mehrheiten" der abgegebenen Stimmen und die lautesten Wortmeldungen kamen.

Wohnwünsche – etwa nach mehr Wohnungsbau in dem von Ulbricht und Honecker für Aufmärsche und Kundgebungen freigeräumten historischen Zentrum – spielten in der "Debatte" kaum eine Rolle; denn im Plenum waren die Wohnungsbesitzer unter sich. Und die zeigten sich am allerwenigsten an weiterer Verdichtung interessiert.