Aktivisten setzen im kalten Wasser Zeichen gegen das Badeverbot
Morgenpost vom 13.10.2025 von Leonard Laurig

Berlin Es ist ein Demo-Termin für Hartgesottene. Am Sonntagmittag haben etwa 70 Menschen gegen das Badeverbot in der Spree demonstriert – und sind dafür in das 13 Grad kalte Wasser gesprungen. Bereits zum dritten Mal fand die Schwimm-Aktion am Spreekanal auf der Museumsinsel statt. Bei der letzten Flussbad-Demo im August waren noch 700 Menschen gekommen, um sich bei sommerlichen Temperaturen abzukühlen. Urlaubsstimmung kam auf.

Nun, am Sonntag, waren die Bedingungen ungemütlicher. Sprühregen wehte über die Museumsinsel . Im Hintergrund verschwand der Fernsehturm im trüben Nebel. „13 Grad Wassertemperatur sind schon eine Herausforderung“, erklärte Jens Lindenberg vom Verein Flussbad Berlin e. V. „Viele, die eigentlich teilnehmen wollten, sind noch skeptisch, ob sie wirklich reingehen sollen.“

Dabei sei es gerade jetzt wichtig, weiter für die Idee eines Flussbades einzustehen. Denn der Senat habe dem Verein zuletzt „völlig überraschend“ mitgeteilt, dass die bereits zugesagte Förderung für den Flussbadgarten für 2026 und 2027 gestrichen wurde. Und zwar mit der Begründung, dass das öffentliche Interesse für das Flussbaden zu wenig Gewicht habe. „Das ist doch eine absurde Argumentation“, sagte Lindenberg. Die letzten Demos hätten das große Interesse am Baden in der Spree verdeutlicht.

Am Sonntag waren es deutlich weniger Teilnehmer, die sich ins kühle Nass trauten. Doch unter den Regenschirmen tauchten dann doch noch einige Badekappen auf. Manche Badegäste hatten sich Neoprenanzüge übergezogen. Andere waren nur mit Badehose bekleidet, stürzten sich aber trotzdem ins Wasser und schwammen ein paar Runden auf einem 150 Meter langen Parkour.

„Gemeinsam wollen wir alle insgesamt 32,5 Kilometer schwimmen“, erklärte Lindenberg. Das ist die gesamte Länge der Spree innerhalb des Berliner Stadtgebiets, wo das Schwimmen verboten ist. Das Badeverbot sei jedoch nicht mehr zeitgemäß, findet der Verein Flussbad Berlin. Die Wasserqualität sei an den meisten Tagen gut. Und die Lebensqualität würde mit der Erlaubnis, sich in der Spree sportlich betätigen zu dürfen, enorm steigen. So die Argumentation des Vereins, der sich weiter für die Einführung einer Pilotbadestelle einsetzt. Außerdem soll der Flussbadgarten mit Holzterrasse und Kioskbetrieb als Ort der Erholung erhalten bleiben

Die Berliner Morgenpost im Internet: www.morgenpost.de