Linken-Parteitag in Berlin-Adlershof Linke will nach Mietendeckel auch an die Böden

„Wem gehört die Stadt?“, ist das Motto des Berliner Linken-Parteitags. Und der begann erstmal mit einem Angriff auf die großen Wohnungsunternehmen.
Tagespiegel vom 23.11.209 - von Robert Kiesel

Der geplante Mietendeckel ist weder vom Senat noch vom Abgeordnetenhaus beschlossen, da plant die Linken-Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher die nächste Initiative zur Bekämpfung des „Mietenwahnsinns in der Stadt“.
Auf dem Landesparteitag der Linken am Samstag in Adlershof kündigte sie an: „Nach dem Mietendeckel müssen wir über Bodenpreise reden. Diese seien "derartig explodiert, dass wir Möglichkeiten schaffen müssen, preissenkende kommunale Beschlüsse zu fassen.“

Berliner Wohnungswirtschaft rebelliert gegen Lompscher

Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher im Abseits: Der Bund hält den Mietendeckel für verfassungswidrig – und ein einflussreicher Verband sagt Gespräche ab.
Tagesspiegel vom 17.11.2019 - Von Alexander Fröhlich und Ralf Schönball

Im Streit um den in Berlin von Rot-Rot-Grün geplanten Mietendeckel steht Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) vor einem Scherbenhaufen. Der einflussreiche Wohnungsverband BFW hat den Dialog mit Lompscher vorerst abgebrochen. Das turnusmäßige, für Montag geplante Gespräch von Bauwirtschaft, Wohnungsverbänden, Handwerk und Industrie mit Lompscher zur „Lage der Berliner Bauwirtschaft“ vor Einführung des Mietendeckels wurde abgesagt.
Beim Senat hieß es, die Absage sei aus „Termingründen“ erfolgt. Die dem Tagesspiegel vorliegende schriftliche Absage des BFW spricht dagegen für ein Zerwürfnis. Landesverbands-Chefin Susanne Klabe begründete ihre Absage damit, dass die Einladung zum Dialog zu spät komme. Von ihrem Verband sei bereits alles gesagt, von der Senatorin aber ignoriert worden.

Gründungsdirektor für die Bauakademie

Der SPD-Politiker Florian Pronold übernimmt den Wiederaufbau des Schinkelbaus
Tagesspiegel vom 14.11.2019 - Von (KNA)

Die neue Akademie soll eine Plattform bilden, die die gesellschaftliche, technische und kulturelle Innovationskraft des Bauens stärken soll. Der SPD-Politiker Florian Pronold wird Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie. Das teilte das Bundesinnenministerium am Donnerstag in Berlin mit. Seine politischen Ämter als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und sein Bundestagsmandat gibt der 46-jährige Pronold ab.

Der ehemalige Vorsitzende der SPD in Bayern konnte die Findungskommission davon überzeugen, dass ihm die Bauakademie ein Herzensanliegen sei: „Er bringt große politische und fachliche Erfahrung aus seiner mehrjährigen Tätigkeit als für Bau zuständiger parlamentarischer Staatssekretär, insbesondere auch im bisherigen Entstehungsprozess der Bundesstiftung Bauakademie“, so Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Die jüngste Altstadt der Welt

Vor einem Jahr wurde in Frankfurt die neu erbaute Altstadt eröffnet. Die Kritik an der Rekonstruktion historischer Gebäude war groß. Heute sieht man dort eine lebendige Mischung von Besuchern, die staunen, innehalten, vergleichen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. September 2019

Disneyland, Geschichtsvergessenheit, Touristenkarussell: An schmähenden Schlagworten fehlte es nicht, als die Stadt Frankfurt beschloss, einen Teil der früheren Altstadt wieder aufzubauen. Vor einem Jahr war dann das fertig, was der auf Denkmalschutz spezialisierte Architekturkritiker Jürgen Tietz noch im Baustadium als „Irrtum" und „weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung" abgekanzelt hatte.

Allen harschen Experten-Verurteilungen zum Trotz wurde zur Eröffnung der „neuen" Altstadt Ende September 2018 drei Tage lang unter großem Publikumsandrang gefeiert. Sechs .Jahre lang hatten die Bauarbeiter auf engstem Raum gewuselt, darunter waren viele traditionelle Handwerker. Auf das Ergebnis sind sie mehr als stolz.

Instabiler Boden unter dem Mühlengraben

Kann die Einheitswippe hier überhaupt wackeln?
Berliner Zeitung vom 16.09.2019 - von Maritta Tkalec

Berlin hat schon manches in den Sumpf gesetzt, zum Beispiel den Münzturm, den König Friedrich I. am Schloss haben wollte. Das Bauwerk stand mit 60 Metern Höhe halb fertig da, als ein Notabriss 1706 den Einsturz abwendete. Baumeister Andreas Schlüter hatte den wabbeligen Untergrund am Spreeufer zu wenig beachtet – „bodenlos und uncorrigible“ sei der, urteilte ein Zeitgenosse.

Ein paar Schritte von diesem Ort entfernt soll im Herbst Baubeginn sein für das Einheits- und Freiheitsdenkmal, gedacht zum Ruhme jener DDR-Bürger, die 1989 anderswo Revolution gemacht hatten. Die Schöpfer vom Büro Milla & Partner planen, eine schwankende Schale auf dem instabilen Grund zu platzieren. Johannes Milla ist optimistisch: „Alle Planungen, Vorbereitungen unsererseits sind gut vorangeschritten“, teilt er mit. „Alles bedacht, berechnet, TÜV-zertifiziert“, sagte er schon 2018 im Interview.