Sie wissen nicht, was sie tun

Beim Umbau des historischen Stadtkerns erfahre die Geschichte kaum Aufmerksamkeit, sagt Stadtplaner Hans Stimmann.
Morgenpost, vom 27.09.2020 - Gastbeitrag von Hans Stimmann

Es vergeht kaum ein Tag ohne Ankündigung von Neuigkeiten der für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zuständigen Senatorin Regine Günther. Die im Mobilitätsgesetz aus dem Jahr 2018 fixierten Ziele sind hochgesteckt, regeln aber auch Konflikte, die entstehen, wenn die Flächenanforderungen eines Verkehrsmittels mit dem eines anderen kollidieren. Für den Fall sollen die Verkehrsarten des Umweltverbundes – Fußgänger, Radfahrer und der ÖPNV – Vorrang haben. Die Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgaben hat einen Kulturkampf über die Gestaltung zukünftiger Mobilität ausgelöst, der die Politiker und Planer beim Senat und in den Bezirken zwingt, über konkurrierende Flächenansprüche in vorhandenen Straßen zu entscheiden.

Zwei alte Mitteilungen aus dem trüben Wasser des Flussbades gefischt

Tagesspiegel Checkpoint vom Montag, 21.09.2020

Wir sind noch mal auf den Grund des Flussbads getaucht und haben zwei alte Mitteilungen aus dem Trüben gefischt, die zwar nicht die Spree rückwärts fließen lassen, dafür aber die Zeit. Für den Checkpoint vom 5.9. hatten wir den Senat gefragt, warum der Satz „Bislang konnte die technische Machbarkeit nachgewiesen und weitere Planung konkretisiert werden“ von der Website verschwunden ist. Die Antwort lautete:

Doch kein 150-Meter-Hochhaus für die Siemensstadt 2.0

Gebäude am geplanten Quartiersplatz soll nun noch 60 Meter hoch werden. Für die ersten Neubauten läuft der Hochbauwettbewerb.
Berliner Morgenpost vom 04.09.2020 - von Jessica Hanack

Es war von Anfang an ein Streitpunkt zwischen den Beteiligten: das 150 Meter hohe Hochhaus, das am zentralen, neuen Stadtplatz des Quartiers Siemensstadt 2.0 entstehen sollte. Der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs, das Berliner Büro Ortner & Ortner Baukunst, hatte das Gebäude ursprünglich als Gegenstück zu den markanten Bestandsgebäuden geplant. Siemens war dagegen skeptisch, man befürchte, hieß es damals, dass das Gebäude in der Siemensstadt 2.0 „als nicht zeitgemäßes Symbol eines internationalen Konzerns interpretiert werden könnte“.
Born­holm ver­heißt zu je­der Jah­res­zeit fas­zi­nie­ren­de Na­tur und er­hol­sa­me Ru­he.

Die Flussbad-Kosten ufern aus

Tagesspiegel vom 04.09.2020 - von Lorenz Maroldt

Wir springen mal wieder ins Flussbad und ziehen aus der trüben Brühe an der Museumsinsel die noch unveröffentlichte Drucksache 18/24509 hervor. FDP-MdA Henner Schmidt hatte vom Senat wissen wollen, wohin die Kosten fließen, die Antwort der Stadtentwicklungsverwaltung (zusammengefasst) bestätigt die Checkpoint-Meldung vom 8. August: ins Uferlose. Schmidt fordert jetzt „endlich eine neutrale Kostenschätzung – alles andere ist fahrlässig und gegenüber dem Steuerzahler unverantwortlich.“

Verkehrssenatorin Günther über autofreie Kieze „So wie es ist, kann es ganz sicher nicht bleiben“

Tagesspiegel vom 24.08.2020 - von Sabine Beikler Hendrik Lehmann

Regine Günther glaubt nicht, dass sich die Stadt zu langsam verändert. Sie will aber auch das Tempo erhöhen: Für E-Autos soll es bald 2000 Ladesäulen geben.
Berlins Infrastruktur soll so schnell wie möglich umgebaut werden, sagt Regine Günther.

Regine Günther (Grüne) ist Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin. Sie ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der BVG. Bevor sie Senatorin wurde, war sie Direktorin für Klimaschutz und Energie und später Generaldirektorin für Politik und Klima bei der Umweltstiftung WWF.

Frau Günther, Sie sind als Verkehrssenatorin gewählt worden, um die Verkehrswende umzusetzen. Es gibt seit zwei Jahren ein Mobilitätsgesetz. Warum ist trotzdem bisher so wenig passiert?
Schauen wir doch auf die Fakten. Ich nehme mal nur den Nahverkehr: Wir haben die größte S-Bahn-Ausschreibung, die es je in Berlin gab, mit einem Volumen von rund acht Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Wir haben jetzt einen BVG-Verkehrsvertrag, der jährliche Investitionen von 800 Millionen Euro statt wie bisher 300 Millionen vorsieht.