Die jüngste Altstadt der Welt

Vor einem Jahr wurde in Frankfurt die neu erbaute Altstadt eröffnet. Die Kritik an der Rekonstruktion historischer Gebäude war groß. Heute sieht man dort eine lebendige Mischung von Besuchern, die staunen, innehalten, vergleichen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. September 2019

Disneyland, Geschichtsvergessenheit, Touristenkarussell: An schmähenden Schlagworten fehlte es nicht, als die Stadt Frankfurt beschloss, einen Teil der früheren Altstadt wieder aufzubauen. Vor einem Jahr war dann das fertig, was der auf Denkmalschutz spezialisierte Architekturkritiker Jürgen Tietz noch im Baustadium als „Irrtum" und „weinerliche Mischung aus Verlust und Verdrängung" abgekanzelt hatte.

Allen harschen Experten-Verurteilungen zum Trotz wurde zur Eröffnung der „neuen" Altstadt Ende September 2018 drei Tage lang unter großem Publikumsandrang gefeiert. Sechs .Jahre lang hatten die Bauarbeiter auf engstem Raum gewuselt, darunter waren viele traditionelle Handwerker. Auf das Ergebnis sind sie mehr als stolz.

Instabiler Boden unter dem Mühlengraben

Kann die Einheitswippe hier überhaupt wackeln?
Berliner Zeitung vom 16.09.2019 - von Maritta Tkalec

Berlin hat schon manches in den Sumpf gesetzt, zum Beispiel den Münzturm, den König Friedrich I. am Schloss haben wollte. Das Bauwerk stand mit 60 Metern Höhe halb fertig da, als ein Notabriss 1706 den Einsturz abwendete. Baumeister Andreas Schlüter hatte den wabbeligen Untergrund am Spreeufer zu wenig beachtet – „bodenlos und uncorrigible“ sei der, urteilte ein Zeitgenosse.

Ein paar Schritte von diesem Ort entfernt soll im Herbst Baubeginn sein für das Einheits- und Freiheitsdenkmal, gedacht zum Ruhme jener DDR-Bürger, die 1989 anderswo Revolution gemacht hatten. Die Schöpfer vom Büro Milla & Partner planen, eine schwankende Schale auf dem instabilen Grund zu platzieren. Johannes Milla ist optimistisch: „Alle Planungen, Vorbereitungen unsererseits sind gut vorangeschritten“, teilt er mit. „Alles bedacht, berechnet, TÜV-zertifiziert“, sagte er schon 2018 im Interview.

Hitzephantasien : Eine kurze Geschichte sommerlicher Utopien

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2.5.2019 - von Niklas Maak

Pünktlich zum Frühjahrsbeginn arbeitet man in Berlin daran, einen Teil der Spree zum größten Freibad der Welt umzubauen. Solche Ideen haben Tradition: Die großen Utopien waren immer Träume, die hohe Temperaturen verlangen.

Zum Frühling gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Meinungen: Für die einen kommen mit der einsetzenden Wärme sogenannte Frühlingsgefühle und andere euphorische Stimmungen auf, die anderen werden vom Gegenteil, der sogenannten Frühjahrsmüdigkeit, geplagt und hängen grimmig unter den knospenden Bäumen herum. Es ist wie mit dem Föhn, dem warmen Wind, der von den Bergen in die bayerischen Städte fegt und den einen Kopfschmerzen, den anderen Hochstimmung beschert. Die Mediziner haben es mittlerweile aufgegeben, irgendwelche Erklärungen dafür abzugeben, wie der Mensch an sich auf den Frühling reagiert, eben weil jeder anders reagiert. Dichter mögen den Frühling in der Regel, Fontane sieht „den schweren Traum“ des Winters abgeschüttelt, Mörike freut sich über das durch die Lüfte flatternde „blaue Band“, die Primaveraphobiker dagegen sind genervt von den hormonvollen Überschwänglichkeiten und beklagen die Folgen, die das frühlingshafte Aufplatzen der Dinge mit sich bringt: Das Cabrio, das aufknospende Auto, ist schlecht, weil nun die Musik, die der erregte Fahrer hört, ungebremst auf die Straße dröhnt, die kurze Hose ist eine Zumutung, weil sie die winterweiße Wade freigibt, die Sandale sowieso, weil das, was sie an die Luft lässt, der Fuß, halt so aussieht wie alles, was lange nicht an die Luft gelassen wurde: weiß, käsig, unappetitlich.

Stadtentwicklungsplan - Wohnen für Berlin endlich beschlossen

Der wochenlange Streit zwischen SPD und Linke über Berlins Neubaugebiete ist fürs erste beigelegt.
Berliner Morgenpost vom 20.08.2019 - von Isabell Jürgens

Der wochenlange Streit hat endlich ein Ende: Der Senat hat auf seiner Sitzung am Dienstag den unter den Regierungspartnern SPD und Linke heftig umstrittenen „Stadtentwicklungsplan Wohnen“ (Step Wohnen) verabschiedet.

Der ursprünglich von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgelegte Step Wohnen 2030 hatte Potenziale für den Bau von rund 200.000 Wohnungen in verschiedenen Gebieten enthalten, die den Neubaubedarf bis 2030 decken sollten. Der SPD schien das angesichts des realen Bevölkerungswachstums in der Stadt als nicht ausreichend. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte deshalb wiederholt Nachbesserungen angemahnt und die Zustimmung zu dem Entwurf, der bereits seit geraumer Zeit im Internet einsehbar ist, verweigert.

Museumsinsel: Touristenbusse dürfen bald nicht mehr halten

Berliner Morgenpost vom 16.08.2019 - von Christian Latz

Touristenbusse sollen laut dem neuen Buskonzept der Senatsverkehrsverwaltung künftig nicht mehr auf der Museumsinsel halten dürfen.
Das habe die Verkehrsverwaltung der Interessengemeinschaft (IG) Kultur und Bildung Spreeinsel in einem Schreiben mitgeteilt, sagte Bernhard Wolter, Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die Mitglied der IG ist. Dafür solle demnach die Bodestraße vollständig und die Straße Am Lustgarten zu Teilen entwidmet und damit für den Straßenverkehr gesperrt werden.