Historisches Areal in Berlin: Was wird aus dem Campus Klosterviertel?

Gestaltungsvorschläge gesucht
Berliner Zeitung vom 24.06.2019 - Von Maritta Tkalec

Mitleiderregend liegt seit Jahrzehnten die Franziskaner-Klosterkirche abgeschnitten von ihrem angestammten Stadtraum neben der Verkehrsschneise Grunerstraße. Zwar umgeben schöne alte Bäume gnädig die 700 Jahre alten Backsteinmauern, doch die menschenfeindliche Trasse aus Zeiten der autogerechten Stadt wirkt als Sperrzone gegen Bürgerkontakt.
Nichts mehr ist von dem gesellschaftlichen Zentrum Berlins zu spüren, das hier über Jahrhunderte lag, eines der ältesten und lebendigsten Viertel. „Immer zentral für die Stadtgesellschaft“ sei es gewesen, sagt der Berliner Landesarchäologe Matthias Wemhoff. Das lag zuerst an den zeitweise 400 bis 500 Barfüßermönchen des Franziskaner-Bettelordens und nach der Reformation an der Präsenz des Gymnasiums zum Grauen Kloster.

Dort lernte bis in die 1940er-Jahre die Elite Berlins: Friedrich Ludwig Jahn, Emil Rathenau, Karl Friedrich Schinkel, Otto von Bismarck gingen dort neben vielen anderen Prominenten zur Schule. Am 3. April 1945 wurde die Klosterkirche zerstört, die Ruine dann als Mahnmal gesichert. Die Trümmer der umliegenden Gebäude ließ die DDR-Politik nach 1950 abräumen.

Humboldt Forum wird im September 2020 eröffnet

Berliner Morgenpost vom 26.06.2019 - von Isabell Jürgens

Das Humboldt Forum im Berliner Schloss wird im September 2020 eröffnen - ein Jahr später als ursprünglich geplant. Bei der sogenannten Eröffnungs-Choreografie in drei Etappen soll es aber bleiben. Demnach wird das Gebäude auf dem Schloßplatz in Mitte erst um die Jahresmitte 2021 komplett zugänglich sein. Das ist das Ergebnis der dreistündigen Krisensitzung, das Helmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, am Mittwochnachmittag verkündete. Zuvor hatten sich der Stiftungsrat der Stiftung Humboldt Forum mit Vertretern des Bundesamtes für Bauordnung und Raumwesen (BBR) getroffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Humboldt-Forum kommt später: Gewurstel im Barock

Franfurter Allgemeine vom 26.06.2019 - von Andreas Kilb

Seit zwölf Jahren wird das Humboldt-Forum geplant, im Dezember sollte es eröffnet werden, jetzt wird der Termin um ein Jahr verschoben. Und die Vision, die das Projekt beflügelt hat, verblasst zur Fata Morgana.
Vor vier Jahren wurden mit großem Tamtam, als wären sie die Propheten einer neuen globalen Kulturgeschichte, die drei Gründungsintendanten des Humboldt-Forums vorgestellt. Inzwischen ist die Gründungsintendanz – der Brite Neil MacGregor und seine deutschen Kollegen Horst Bredekamp und Hermann Parzinger – bereits wieder Geschichte, aber das Humboldt-Forum ist immer noch nicht gegründet, sprich: eröffnet. Auch so kann man die Havarie eines Prestigeprojekts bilanzieren. Aber von Prestige spricht beim Humboldt-Forum schon längst niemand mehr, es geht ausschließlich um Termine, Haustechnik, Kälteanlagen – und bei den Objekten, die gezeigt werden sollen, um Provenienzen und Rückgabeforderungen. Das Havarieren ist auf dem Berliner Schlossplatz zur Betriebsroutine geworden.

Worauf es beim Wohnungsbau jetzt wirklich ankommt

Die Welt vom 09.06.2019 - von Dankwart Guratzsch

Möglichst viele Wohnungen in möglichst kurzer Zeit zu bauen und dabei möglichst hohe Gewinne einzustreichen – das ist das Rezept für die Überwindung der Wohnungsnot. Doch die Wirklichkeit stellt ganz andere Forderungen.

Entlarvend sind die Nachrichten, Interviews und Regierungsprogramme zur Beseitigung der aktuellen Wohnungsnot. Von allem ist die Rede, was sich schnell und billig herstellen lässt. Nur ein Begriff fehlt: Schönheit. Wie kann man aber annehmen, dass sich die Wohnungsnot beseitigen lässt, wenn man nur für das nackte Bedürfnis baut, anstatt die gestiegenen Ansprüche und die Wohnzufriedenheit, die neuen Wohnstile, die neue Gesellschaftsstruktur zu berücksichtigen?

Berlin funktioniert trotz der Politik

Die Enteignungsdebatte sorgt für Frust unter Berliner Unternehmern. Markus Voigt, Chef des Wirtschaftsclubs VBKI, will Alternativen.
Berliner Morgenpost vom 25.05.2019- Von Joachim Fahrun

Seine Branche kann sich vor Aufträgen kaum retten. „Voigt Ingenieure“ gehört mit 120 Mitarbeitern zu den größten Planungsbüros der Region und hat gut zu tun. Für den Unternehmer Markus Voigt läuft es also. Aber als Präsident des 1879 gegründeten Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), dem wichtigsten unabhängigen Wirtschaftsclub der Stadt, macht er sich große Sorgen um die Zukunft Berlins. Joachim Fahrun traf Voigt in seinem Büro am Kurfürstendamm.

Berliner Morgenpost: Herr Voigt, wie würden sie die wirtschaftliche Lage Berlins einschätzen?
Markus Voigt: Die ist immer noch gut. Solange wir es schaffen, dass die Stadt weiter wächst, wird das auch so bleiben. Die politischen Rahmenbedingungen verschlechtern sich aber zunehmend.