Wie viel Politik war im Spiel?

vis.á.vis Magazin vom 24.10.2022 von Detlef Untermann
An der Entscheidung des Landesdenkmalamtes scheiden sich weiter die Geister

An der Entscheidung des Landesdenkmalamt Berlin, das Wohnquartier an der Wilhelmstraße in Mitte unter Denkmalschutz zu stellen, scheiden sich weiter die Geister. Auch die zeitli­che Nähe der Entscheidung zur Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl nährt sogar bei Kunsthistorikern den Verdacht, dass nicht zuletzt politische Gründe eine Rolle für die Unterdenk­malschutzstellung gespielt haben.

Bislang hatte insbesondere die Gesellschaft Historisches Berlin e.V. grundsätzliche Kritik an der Entscheidung des Landesdenkmalamtes geäußert und diese als „fatale Fehlentscheidung" bezeichnet. Eine Denkmalwürdigkeit sei nicht erkennbar. Landeskonservator Christoph Rauhut spricht dagegen von einem „Leuchtturmprojekt der Ost-Berliner Hauptstadtplanung".

Koalitionsstreit um Wiederaufbau der Bauakademie

Morgenpost vom 21.10.2022 von Isabell Jürgens
Senatsverwaltung für Rekonstruktion der Schinkel-Fassade

Die Debatte um den Wiederaufbau der 1962 von der DDR-Regierung abgerissenen Bauakademie sorgt innerhalb der rot-grün-roten Koalition für Streit. Die Koalitionäre sind uneins, wie das 1832 bis 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtete Gebäude mit der prägnanten roten Ziegelfassade wieder errichtet werden soll.

Mehr Respekt bitte – vor Schinkel – 2/3 für historische Fassade

Bakukamme vom 21.10.2022 on Dr. Peter Traichel

Ein Rückblick: am 13.02.2017, 19 Uhr: „Stadtgespräch zur Bauakademie“ in der Berliner Stadtbibliothek. Die Architektenkammer hatte eingeladen. Ein runder Tisch mit 10 illustren Gästen aus der städtischen Baukulturszene, Architekten und Ingenieure diskutiert vor Publikum unter der Moderation eines Journalisten. Jeder darf mal etwas sagen. Die Ansichten sind gemischt: Soll die Bauakademie wiederaufgebaut werden oder soll man sie rekonstruieren? Darf man so etwas überhaupt und was eigentlich ist der Unterschied zwischen Wiederaufbau und Rekonstruktion? Was hätte Schinkel gewollt? Soll man nur außen rekonstruieren oder außen und innen? Oder vielleicht nur teilweise? Geht die Nutzung des Gebäudes vor der äußeren Form? Wer soll der Bauherr sein? Es fallen auch gewichtige Sätze wie: Unser Erbe ist nicht die Bauakademie, „unser Erbe ist der Verlust (!)“ der Bauakademie. Allgemein scheint es jedoch Konsens zu sein, dass man über die vom Bund geschenkten 62 Mio. für den Wiederaufbau froh sein könne. Immerhin. Festgehalten wird auch, dass uns etwas einfallen müsse, ein offener Wettbewerb müsse her! etc. p.p. …
Die Diskussion ist seither nicht wirklich vorangekommen…
Aber: 2/3 sind nach einer aktuellen Forsa-Umfrage für eine historische Fassade.

Warnung vor einem „Millionengrab

Morgenpost vom 20.10.2022
Bund der Steuerzahler fordert sofortigen Stopp für Projekt Flussbad Berlin

Berlin Der Bund der Steuerzahler hat einen sofortigen Stopp aller Planungen für ein Flussbad Berlin im Spreekanal in Mitte gefordert. „Für das sich hier ankündigende Millionengrab muss sofort die Reißleine gezogen werden“, schrieb der Verband in seinem am Mittwoch vorgestellten Schwarzbuch zur öffentlichen Verschwendung. Er erinnerte daran, dass für das Flussbad Kosten in Höhe von 77 Millionen Euro veranschlagt seien. Mit dem Geld könne alternativ rund die Hälfte des Sanierungsrückstaus in den Berliner Bädern beseitigt werden, was dem Schul- und Vereinsschwimmen zugutekäme.

Schinkel, oder?

FAZ vom 20.10.2022 von Andreas Kilb

Der größte deutsche Architekt? Karl Friedrich Schinkel. Und unter Schinkels Architekturen nimmt die 1836 errichtete Berliner Bauakademie einen Spitzenplatz ein. Das sehen auch die Bundesbürger so: Noch jede Straßenumfrage ergibt eine Zweidrittelmehrheit für den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten und 1962 vom DDR-Regime abgerissenen Gebäudes. Und die Politik respektiert den Bürgerwillen: Vor sechs Jahren stellte der Bundestag 62 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Bauakademie zur Verfügung, und das Land Berlin , dem das Grundstück gehört, sagte zu, es an den Bund zu überschreiben.