Die Geschichte von Modernisierung und Vernichtung

Chronik mutwilliger Selbstentleibung
Berliner Zeitung vom 25.06.2018 - von Maritta Adam-Tkalec

Modernisieren durch zerstören – diesem Verfahren wurde die alte Berliner Mitte mehr als 150 Jahre lang unterzogen. Die Methode steht exemplarisch für das 20. Jahrhundert. Was diktatorische Regimes ein ums andere Mal der Stadt antaten, das setzten demokratisch gesinnte Volksvertreter fort. Was nicht in die neuen Zeiten passte, musste weichen. Berlin exekutierte in extremen Formen, was auch in anderen Metropolen wie London, Paris oder Wien im Schwange war. Da die Stadt im 19. Jahrhundert mit der Modernisierung spät dran war, ging sie das Zerstörungswerk umso energischer und geschichtsvergessener an.

Frankfurt: Altstadt für alle!

Frankfurt debattiert über rekonstruierte Bürgerhäuser, völkische Unterwanderung und die Zukunft der Schönheit.
Die Zeit vom 17. Mai 2018 - Von Hanno Rauterberg

Eine Stadt im Eröffnungsrausch: Schon im Februar ging es los, dann fielen vergangene Woche die letzten Bauzäune, und im September soll es das dritte, das größte Fest geben (für 1,5 Millionen Euro!), um die einzigartige, die wunderbar neue und irgendwie auch alte Altstadt einzuweihen. Bis dahin sollen 200 Bewohner eingezogen, 20 Läden und Lokale eingerichtet sein.
Der erhoffte Feierfrieden lässt jedoch auf sich warten. Noch immer gibt es Streit: Darf man das eigentlich, ein Bauwerk aus den siebziger Jahren schleifen, um an dessen Stelle die im Krieg zerstörten Bürgerhäuser neu zu errichten? Ist das Stadtreparatur? Oder schlimmer Selbstbetrug?

Friedrichswerdersche Kirche : Die neuen Nachbarn des Kronjuwels

Die Luxuswohnungen rücken der Kirche auf die Pelle
Frankfurter Allgemeine vom 17.03.2018 - von Regina Mönch

Das sind die Folgen des Berliner Größenwahns: Die Sanierung der Friedrichswerderschen Kirche geht nur langsam voran. Einige Schäden bleiben und der Lichtzauber ist gebrochen.
Der Erzengel Michael über dem Hauptportal der Friedrichswerderschen Kirche ist endlich wieder zu sehen. Wie ein Warner vor weiterem Frevel, der seine Kirche so schwer beschädigt hat, schwebt er über den Kassettentüren mit ihren gusseisernen Engelstondi, die man nun wieder ausgiebig bewundern kann. Nur wenige Meter unter seinen Füßen, an den steinernen Stufen zur immer noch verzogenen linken Kirchentür, beginnt unübersehbar der große Riss, der die gesamte Kirche durchzieht, bis hin zu den Altarstufen aus Marmor und hoch unters Kirchendach.
Jahrelang waren der Engel und das schöne Tor hinter einem klobigen Baucontainer verborgen, der zur Baustelle Kronprinzessinnengärten gehörte, wo Wohnhäuser der Luxusklasse entstanden. Als dort die Grube für eine Tiefgarage ausgehoben wurde, mit viel Bums und ohne einen Gedanken zu verschwenden an den schütteren Berliner Untergrund, hatte es die kostbare Kirche fast zerrissen (F.A.Z. vom 26. Oktober 2015).

Mehr Platz für Reisebusse in Mitte gefordert

Mitte brauche ein Mobilitätskonzept, damit es zu keinem Verkehrschaos am Humboldt Forum kommt, fordern Politiker von CDU und FDP.
Berliner Morgenpost vom 06.02.2018 - von Thomas Fülling und Brigitte Schmiemann

Experten warnen vor massiven Verkehrsproblemen rund um die Museumsinsel, wenn das Stadtschloss fertig ist
Angesichts drohender Verkehrsprobleme am Humboldt Forum in Mitte haben Verkehrspolitiker von CDU und FDP den Senat aufgefordert, die Arbeiten an einem Verkehrskonzept für den Bereich rings um das Stadtschloss zu beschleunigen. "Es gibt keinen Grund dafür, dass das Konzept nicht fertig ist, wenn das Humboldt Forum eröffnet", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici (CDU) der Berliner Morgenpost am Montag.

Verkehrskonzept für Mitte: Nichts außer Ankündigungen

Trotz jahrelanger Ankündigungen: Noch immer fehlt ein Innenstadtkonzept für Reisebusse.
Berliner Morgenpost vom 06.02.2018 - von Thomas Fülling

Können Sie sich noch an 2009 erinnern? Damals sorgte ausgerechnet der damalige Berliner ADAC-Chef Walter Müller mit seiner Idee für Furore, zugunsten der Fußgänger den gesamten Bereich zwischen Lustgarten und Stadtschloss nach dessen Wiederaufbau in eine autofreie Zone zu verwandeln. Der von ihm als Alternative für die Autofahrer angeregte Straßentunnel von der Karl-Liebknecht-Straße bis zum Pariser Platz wurde nicht zuletzt wegen der exorbitanten Kosten schnell verworfen. Die Notwendigkeit, sich intensiv Gedanken um die Bewältigung der erwarteten Besucherströme in Berlins Mitte zu machen, wurde allseits anerkannt.