Teufels Lustgarten, Bauherrens Versuchung

Ein riesiger Markt, eine Verkehrsverteilstation , ein Raum für Fantasien – der Alexanderplatz war schon vieles. Bloß kein gemütlicher Ort zum Verweilen
Berliner Zeitung vom 10.04.2021 von Maritta Tkalec

Den Alexanderplatz kann man nicht liebhaben. Was sollten neue Hochhäuser daran ändern? Die meisten Leute mögen es eben gemütlich. 30 Jahre lang zweimal tägliches Überqueren hinterließen nur eine Emotion: Gefühlskälte. Wer will schon verweilen auf der Steinwüste aus kaugummiverklebtem Pflaster, wo es aus allen Richtungen zieht. Kein Café, kein Restaurant, das Zuflucht böte. Ausgerechnet dieser Ort hat den Ruf, irgendwie typisch Berlin zu sein. „Alexanderplatz! Döblin! Weltstadt! Flair!“, denken Leute, die den Platz noch nie gesehen haben. Manch „Außerhalbscher“ glaubt sogar, der Alexanderplatz liege unterhalb des Fernsehturms, vor dem Roten Rathaus. Unsinn.

In der Mall der Moderne

Mit Spiegelvisier: Die neuen Planungen zum Berliner Museum des 20 . Jahrhunderts
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31.03.2021 von Andreas Kilb

Etwas fehlt in den neuen Animationen zum Museum des 20 . Jahrhunderts am Kulturforum in Berlin , die der Basler Architekt Jacques Herzog am Montag vorgestellt hat. Es ist der Blick aufs Dach. Von allen Seiten, vom Matthäikirchplatz, der Potsdamer Straße, der Neuen Nationalgalerie und vom Vorplatz gegenüber von Scharouns Philharmonie wird der Bau gezeigt, nur die Ansicht von oben fehlt. Das nährt den Verdacht, dass die Dachplanung für das Gebäude entweder immer noch nicht abgeschlossen oder so unattraktiv ausgefallen ist, dass man sie der Öffentlichkeit einstweilen vorenthalten will. Eines wäre so ernüchternd wie das andere.

Wem gehört das Zentrum?

Ist das geplante "Flussbad" im Herzen der Hauptstadt der Beginn einer neuen Stadtkultur - oder ein Ärgernis? Über den neuen Streit um Deutungshoheit.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.03.2021 von Niklas Maak

Die Städte werden immer heißer. Sommertemperaturen um die 40 Grad sind an vielen Orten keine Seltenheit mehr. Experten fordern, um die innerstädtischen Temperaturen zu senken, massive Begrünung für mehr Schatten, mehr Wasserflächen, Brunnen und Kanäle. Bis die gegraben sind, bleibt der Bevölkerung in den kommenden Hitzewellen aber nur der Gang in die vorhandenen Gewässer: in Seen, Freibäder und Flüsse - wobei die meist zu schmutzig sind: In Paris, wo schon zu Zeiten Ludwigs XV. ein Flussbad in der Seine entstand, und auch in Berlin wurde das Baden im Fluss wegen der miserablen Wasserqualität schon um 1925 offiziell verboten.

Die Debatte um eine IBA 2030 ist erschreckend mutlos

Berliner Morgenpost vom 25.03.2021 von Isabelle Jürgens

Im Stadtentwicklungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses wird in einer groß angelegten Anhörung über die Chancen einer Internationalen Bauausstellung (IBA) 2030 in Berlin debattiert. Man sollte meinen, dass so eine Ausstellung irgendwas mit Bauen zu tun hat. Aber nicht so in Berlin .

Grenzen überwinden

Die Hauptstadtregion wächst zusammen. Experten fordern von den Ländern bessere Planung.
Tagesspiegel vom 23.03.2021 von Ralf Schönball

Im Einheitsjahr 1990 war die Reaktivierung der „Kremmener Bahn“ zwischen Berlin und den Kommunen im Nord-Westen Brandenburgs beschlossen worden – dreißig Jahre später gehört sie zu den „Konzepten 2030“ zur Verbesserung der Bahnverbindungen zwischen den beiden Ländern. Bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit geht es im Schneckentempo voran – auf der Schiene und in den Verwaltungen.

Dieses Beispiel lieferte Volker Krane vom ADAC am Montag in der Video-Pressekonferenz des „Zukunftsforums Berlin -Brandenburg“ der Stiftung Zukunft Berlin . Die Stiftung, geleitet vom früheren Berliner Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer, erarbeitet seit Jahren Konzepte, um die Defizite bei der Organisation des Wachstums und der Stärkung von Wirtschaft, Verkehr und Lebensqualität in Berlin und der Hauptstadtregion voranzubringen – jüngst nun mit einem Experten-Netzwerk zum Thema „Siedlungsentwicklung, Mobilität, Wohnen und Arbeiten“. Krane, Vorstand für Verkehr beim ADAC Berlin -Brandenburg, forderte zur Belebung der bisher schleppenden länderübergreifenden Arbeit „verbindliche Staatsverträge“, die gemeinsam zu vereinbarende Beschlüsse „abarbeitet mit einem messbaren Ergebnis“. Geredet werde ja genug und schon seit Langem – getan aber werde zu wenig.