Senatsverwaltung entwickelt einen Plan, wie der Verkehr zwischen Spree und Checkpoint Charlie geregelt wird
Morgenpost vom 17.12.2025 von Jessica Hanack

Mitte Es geht um mehr Raum für den Fuß- und Radverkehr, ein attraktiveres Spreeufer, Begrünung und Entsiegelung: Die Senatsverkehrsverwaltung hat seit 2023 an einem Verkehrskonzept für die Berliner Mitte zwischen Spree, Spittelmarkt und Checkpoint Charlie gearbeitet, nun wurden die Ergebnisse in einer Ausstellung präsentiert. „Erstmals liegt eine planungsübergreifende, integrierte Betrachtung der Mobilität in der Berliner Mitte vor“, sagte Verkehrsstaatssekretär Arne Herz, der von einem „soliden Fundament“ für zukünftige städtebauliche und verkehrspolitische Entscheidungen sprach.

Das Konzept, das derzeit in einer Ausstellung in der Zentral- und Landesbibliothek gezeigt wird, basiert auf acht Leitthesen, die das Zielbild für die Entwicklung der Berliner Mitte vorgeben. Dazu gehört es etwa, den öffentlichen Raum an den Klimawandel anzupassen und aufzuwerten, neue Mobilitätsformen wie Sharing-Fahrzeuge oder autonomes Fahren zu berücksichtigen und leistungsstarke Straßen zu erhalten, während gleichzeitig die Verkehrssicherheit gestärkt werden soll. Orientierung bei der Entwicklung boten zudem Beispiele aus anderen Städten – wie das Seine-Ufer in Paris, wo die einst stark befahrene Straße entlang des Flusses in eine Promenade für Fußgänger umgewandelt wurde.

Das Spreeufer zwischen Friedrichstraße und Museumsinsel sei eine wichtige Achse für den Fußverkehr, heißt es. Es solle deshalb die „Erlebbarkeit“ erhöht werden und eine „fußgängerfreundliche Umgestaltung mit besonderem Schwerpunkt auf die Aufenthaltsqualität erfolgen“. Die Rede ist dafür von einer Neuaufteilung des Straßenraums, vor allem im südlichen Bereich, sodass mehr Platz für Fußgänger und Begrünung entsteht. Auch die Ebertbrücke soll saniert und neugestaltet werden. Ziel ist demnach eine „durchgängige und attraktive Achse für den Fuß- und Radverkehr “.

Exemplarisch taucht im Konzept auch der Checkpoint Charlie auf, als Ort, der im Jahr vier Millionen Besucher anzieht, gleichzeitig aber unübersichtlich gestaltet ist. Vorgeschlagen werden deshalb diverse Änderungen, wie eine Verkehrsberuhigung in der Friedrichstraße mit angepasstem Belag oder die Umwandlung der Zimmerstraße, die am Checkpoint Charlie die Friedrichstraße kreuzt, in eine Fahrradstraße mit breiteren Gehwegen. Mittelinseln sollen aufgewertet werden und Touristen bessere Fotomöglichkeiten bieten, außerdem soll der bislang baumlose Ort ebenfalls begrünt werden.

Auch der Spittelmarkt taucht im Konzept auf. Der Verkehrsknoten soll demnach neu geordnet werden. Ziele sind verbesserte Übergänge für Fußgänger und Radfahrer, beispielsweise an der Leipziger Straße, mehr Bäume und Fahrradstellplätze und ein stärkerer gestalterischer Bezug zum Spreeufer. Aufgrund der Lage und der vorhandenen Freiflächen wird von den Planern ein „hohes Aufwertungspotenzial“ für den Spittelmarkt gesehen. Für die Friedrichstraße selbst wurde bereits vor Kurzem eine Idee zur Umgestaltung vorgelegt, auf Grundlage von Vorschlägen des Architekten Tobias Nöfer.

Ein Abschlussbericht zum Verkehrskonzept soll Ende Januar veröffentlicht werden, so lange ist die Ausstellung auch noch in der Zentral- und Landesbibliothek an der Breiten Straße zu sehen. Dieser Bericht markiere aber nicht das Ende, so Herz, sondern den Beginn einer „schrittweisen Umsetzung dort, wo es Mittel gibt, wo Handlungsspielräume entstehen und Pilotprojekte zügig erprobt werden können“. Bei diesen Aussagen beließ es der Staatssekretär. Genauer dazu, inwiefern Geld im kommenden Haushalt eingeplant ist oder welcher Zeitraum für erste Umbauarbeiten realistisch ist, wurde Herz nicht.

Dass sich etwas in der Berliner Mitte tun muss, darüber herrschte am Abend auch Einigkeit bei einem Runden Tisch mit Gewerbetreibenden, zu dem die Grünen geladen hatten. Im Blickpunkt standen dabei die Friedrichstraße und der Gendarmenmarkt, der nach den jahrelangen Bauarbeiten, so die übereinstimmende Meinung, Belebung und positive PR braucht. „Es muss etwas passieren. Es geht nicht nur um Verkehrspolitik, sondern um ein Gesamtkonzept“, sagte Bettina Jarasch, die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen und als ehemalige Verkehrssenatorin eng mit der Friedrichstraße verbunden. Dass damals insbesondere die Kommunikation verunglückt sei, räumte sie ein, sagte aber ebenso, dass es keine Lösung gewesen sei, die Straße einfach wieder für den Verkehr zu öffnen. „Die Friedrichstraße ist laut Unfallzahlen die gefährlichste Straße Berlins“, so Jarasch.

Das Stichwort der Verkehrsberuhigung wurde auch von Anliegern mehrfach genannt, ebenso das Ziel, den Gendarmenmarkt stärker zu nutzen. Ideen gibt es viele. Von einem Wochenmarkt, der nicht nur Touristen, sondern insbesondere auch Anwohner anspricht, bis hin zu einem Weinfest mit Musik aus dem Konzerthaus. Gebremst wird die Umsetzung allerdings durch den Denkmalschutz in Bezirk und Land, der nur wenige Veranstaltungen unter strengen Vorgaben zulässt.

Jarasch sagte deshalb: „Wir müssen ein Stück weit ran an den Denkmalschutz, um mehr zu ermöglichen.“ Als weitere Idee zur Belebung der Einkaufszentren in der Friedrichstraße nannte sie es, auf eine stärkere Mischung zwischen kommerzieller und öffentlicher Nutzung zu setzen – und als Land als „Generalmieter“ zu fungieren, um beispielsweise leerstehende Flächen für Künstler zu günstigen Mieten anzubieten.

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