Trotz ikonischer Bauten gilt das Kulturforum vielen als städtebauliche Sünde. Nun gibt es einen neuen Plan. Er soll die Außenflächen aufwerten. Für Autos bleibt weniger Platz.
Tagesspiegel vom 17.02.2026
Das Berliner Kulturforum soll grundlegend umgestaltet werden. Ziel ist, dass das Areal zwischen Potsdamer Platz, Tiergarten und Landwehrkanal mehr Aufenthaltsqualität bekommt. Das sieht die vom Senat erarbeitete Fortschreibung des Masterplans Kulturforum vor.
Es ist ein Zentrum der Berliner Hochkultur. Neue Nationalgalerie, Philharmonie, Staatsbibliothek und Gemäldegalerie stehen hier nah beieinander. Trotzdem gilt das Kulturforum vielen als städtebauliche Sünde. Ein Unort, an dem sich zwischen den ikonischen Bauten kaum jemand gerne länger als nötig aufhält. Das soll sich ändern.
Plätze sollen Herz des Kulturforums bilden
Ziel des überarbeiteten Masterplans ist es, aus dem Nebeneinander der Architekturikonen in Berlin-Mitte ein „stimmiges, identitätsstiftendes Gesamtbild zu entwickeln“, wie der Senat in einer Presseerklärung mitteilte. Einen zusammenhängenderen und deutlich grüneren Stadtraum als bislang, der mehr zum Verweilen einlädt.
Im Zentrum der Pläne steht die Herrichtung dreier grüner Plätze. Der Scharounplatz, der Matthäikirchplatz sowie der früher Piazzetta genannte Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz vor der Gemäldegalerie sollen das Zentrum des Kulturforums bilden und zu einem neuen, gemeinsamen Raum zusammenwachsen. Der „Herzkammer des Kulturforums“, wie es in den Plänen heißt.
Wenn das derzeit in Bau befindliche Museum „berlin modern“ neben der Matthäikirche einst fertiggestellt sein wird, werden diese Freiflächen klarer als bislang durch die Bauten eingerahmt sein, so der Plan. Um die Plätze aufzuwerten, soll anstelle der heutigen Steinwüsten zudem mehr Grün platziert werden. Alle Plätze sollen dazu mehr entsiegelte Flächen und auch mehr Pflanzen erhalten.
Auch Verkehrsberuhigung geplant
Daneben ist geplant, dass die zwischen der Neuen Nationalgalerie und dem künftigen Museum „berlin modern“ gelegene Sigismundstraße auf dem Abschnitt zwischen Potsdamer Platz und Matthäikirchplatz verkehrsberuhigt wird. Entstehen soll dort laut den Plänen ein „platzartiger Bereich“.
Auch für die Potsdamer Straße, die das Kulturforum zerteilt, sieht die Fortschreibung des Masterplans Veränderungen vor. Die viel befahrene Verbindung soll schmaler werden. Zudem ist angedacht, dass Fußgänger die Straße künftig einfacher überqueren sollen.
Parkplatz an der Philharmonie muss weichen
Zudem plant der Senat, den Parkplatz an der Philharmonie, südlich des Musikinstrumenten-Museums, zu entfernen. Zunächst soll die Fläche temporär begrünt werden. Auch für eine feste Gastronomie sehen die Pläne dort Platz. Langfristig sieht der Senat dort aber auch Potenzial für ein neues Gebäude in Verbindung mit der Philharmonie.
Weitere Neubauten sind an der nördlichen Grenze des Kulturforums am Rand zum Tiergarten geplant. Die Staatsbibliothek möchte dort ein Gebäude haben als Ersatzstandort für ihre Mitarbeiter während der 2030 beginnenden, elf Jahre dauernden Sanierung des Scharoun-Baus. Daneben ist laut den Plänen ein Hotel geplant.
Bessere Verbindung zur Staatsbibliothek
Nördlich des Kunstgewerbemuseums könnte zudem in der Nähe des Tiergartens Platz für eine Gastronomie sein. Besser werden soll es in diesem Bereich auch für Fußgänger. Künftig sollen sie die Tiergartenstraße zwischen Park und Kulturforum leichter queren können.
Die Verbindung zwischen dem Kulturforum und den angrenzenden Straßen soll auch an anderen Stellen besser werden. Wer vom Potsdamer Platz und Marlene-Dietrich-Platz zur Staatsbibliothek möchte, muss bislang einen Umweg gehen. Künftig soll es von der Rückseite der Bibliothek aus direktere Verbindungen geben.
Wenig einladend ist es derzeit auch südlich der Neuen Nationalgalerie. Entlang des Landwehrkanals braust der Verkehr auf dem viel befahrenen Reichpietschufer. Das Kanalufer selbst wirkt eher heruntergekommen. Das soll sich ändern.
Der Masterplan sieht vor, dass der Josephine-Baker-Garten südwestlich der Nationalgalerie, bislang eher ein Grünstreifen, aufgewertet wird. Auch die Freifläche direkt am Kanal soll aufgewertet werden.
Mit dem Masterplan bestehe nun „die Grundlage für die Weiterentwicklung des Kulturforums im partizipativen Verfahren“, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach der Behandlung im Senat im Januar mit. Offen ist hingegen, wann die Maßnahmen umgesetzt werden. Das Kulturforum mit seinem problematischen Zustand dürfte also zumindest vorläufig bleiben.
