Deutsche Bank schließt das PalaisPopulaire. Knapp drei Jahrzehnte zeigte das Bankhaus Ausstellungen in eigener Regie, acht davon im PalaisPopulaire. Jetzt strebt es „flexiblere“ Strukturen an.
Morgenpost vom 01.07.2026 von Nicola Kuhn

Eine Ära endet, die Deutsche Bank schließt mit dem PalaisPopulaire ihren Kunststandort an zentraler Stelle in der Stadt. Im ehemaligen Prinzessinnenpalais war bis zum Umbau zur hauseigenen Kunsthalle durch das Architekturbüro KuehnMalvezzi noch aus DDR-Zeiten hinter der Rokoko-Fassade das Operncafé untergebracht. Damit hören nach insgesamt knapp dreißig Jahren die Aktivitäten der Deutschen Bank mit eigener Berliner Kunstadresse auf.

Für das Publikum mag es ein Schock sein, ein wichtiger Ausstellungsort gibt auf. Doch die Deutsche Bank kommuniziert ihren Schritt als Ausbau in eine andere Richtung: Fortan sollen junge Künstler mehr gefördert werden, man wolle die Kooperationen mit Partnerinstitutionen stärken, so begründet Britta Färber, die Frankfurter DB-Leiterin Kunst und Kultur, im Gespräch mit dem Tagesspiegel die Entscheidung.

Die ganz große Zeit war mit dem Guggenheim

Acht Jahre insgesamt hat die Deutsche Bank dann in ihrer Ära als Kunst-Player in der Stadt die 750 Quadratmeter große Ausstellungsfläche bespielt und im Erdgeschoss die Gastronomie beibehalten. Allerdings fand sie in den niedrigen Räumen nur selten wieder zu den großartigen Präsentationen, mit denen sie sich zuvor in den ebenfalls aufwendig hergerichteten Räumen im Stammhaus Unter den Linden einen Namen gemacht hatte. Insbesondere während der Kooperationsjahre mit dem New Yorker Guggenheim Museum zwischen 1997 und 2012, als die Kunsthalle unter dem Namen Deutsche Guggenheim firmierte, zeigte das Bankhaus spektakuläre Ausstellungen von James Rosenquist, Jeff Koons oder Helen Frankenthaler.

Auf der, wenn auch um ein Drittel erweiterten, Stellfläche des PalaisPopulaire wirkten die Präsentationen ab 2018 eher kleinteilig, häufig gedrängt. Hier zeigte das Bankhaus vornehmlich seine eigene Sammlung unter verschiedenen Aspekten. Eine Ausnahme bildete etwa die großartige Schau des britischen Videokünstlers Isaac Julian, die durch eine Kooperation mit dem Sammler Heiner Wemhöner zustande kam.

Eine Besonderheit waren immer auch die Ausstellungen des „Artist of the Year“. Mit der Slowakin Lucia Tallová, die von den beiden Direktoren des Hamburger Bahnhofs, Sam Bardaouil und Till Fellrath, für 2026/27 benannt ist, schließt das PalaisPopulaire seine Türen. Auf der Website ist die Ausstellung noch vom 10. September bis 4. Januar 2027 angekündigt.

Vom 19. bis 22. November gibt es zum Abschied noch ein großes Festival mit allen Berliner Kooperationspartnern, „um zu feiern, was erfolgreich am PalaisPopulaire war“, so Britta Färber. Die allein in Berlin 2000 Werke umfassende Sammlung des Bankhauses soll fortan an verschiedenen Orten erlebbar sein und sich „so für ein breiteres Publikum öffnen“, wie es heißt.

Die überraschende Ankündigung, dass sich die Deutsche Bank mit dem PalaisPopulaire aus Berlin zurückzieht, dürfte auch ein Signal an den Vermieter Mathias Döpfner sein, den Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags. Der Vertrag läuft regulär aus. An Döpfner richten sich nun große Erwartungen, was als Nächstes an der prominenten Adresse passiert. Für viele Berliner ebenso wie für Touristen stellt sich außerdem die Frage, gewahrt bleiben. ob im steinernen Zentrum der Stadt die Verweilqualität auf der Terrasse und die kulinarische Versorgung

Die Deutsche Bank will derweil ein neues Exzellenz-Programm auflegen, um junge Kunstschaffende aus Berlin bei der Professionalisierung zu unterstützen und die lokale Szene zu fördern, so die Ankündigung. Beibehalten wird ebenso die Gesprächsreihe „In conversation with“ am Hamburger Bahnhof, dem weiterhin Leihgaben der Firmensammlung zur Verfügung stehen. Unangetastet bleibt auch die Zusammenarbeit mit den Philharmonikern, etwa beim Education Programm, die seit 1989 besteht, ebenso das Komponisten-Fellowship an der American Academy.

Der DB-Pressesprecher Klaus Winker erklärte die Neuerungen im Kunstbereich vor allem mit größerer Flexibilität, mehr Freiräumen und, ja, auch den Kosten. Im oberen Geschoss des PalaisPopulaire trafen sich die „Berliner Kollegen“ zu internen Veranstaltungen, dort fanden unter anderem Vorstandssitzungen statt. Der Ausflug zur Kunst ist damit gestrichen.

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