Berlin-Mitte. Am Gendarmenmarkt musste ein Baum fallen, der so vieles überstand. Sein Verlust steht für die Sehnsucht nach Geschichte und Beständigkeit in Berlin.
Morgenpost vom 15.10.2026

Fast 100 Jahre stand ein Baum am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte. Gepflanzt wurde er nach einer Schätzung des Straßen- und Grünflächenamtes 1932. Nationalsozialismus, Teilung, Wiedervereinigung, Baustellen und Touristenströme hat er überlebt. Am Freitag wurde der 24 Meter hohe Koloss in einer tagesfüllenden Aktion gefällt. Sein Ende bewegt viele Berliner.

Weil dieser Japanische Schnurbaum mehr war als nur Stadtgrün. Alte Bäume dagegen sind stille Zeitzeugen. Sie erinnern daran, dass nicht alles austauschbar ist. Gerade am Gendarmenmarkt trifft die Fällung zudem einen empfindlichen Punkt. Der Platz gilt heute vielen als steinerne Bühne zwischen Konzerthaus, Deutschem und Französischem Dom. Doch historisch war er deutlich grüner. Auf Fotografien aus der Kaiserzeit säumen Bäume den Platz, spenden Schatten und verleihen ihm eine fast parkähnliche Atmosphäre. Der oft beschworene „historische Zustand“ war also keineswegs nur Granit und Freifläche.

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Nur wenige Bäume überlebten Bombensturm des Weltkrieges
Noch bemerkenswerter ist ein Blick in die Kriegsjahre. Rund um den Gendarmenmarkt standen nur noch Häusergerippe, während einige Bäume überlebten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Fläche vor dem Konzerthaus zeitweise landwirtschaftlich genutzt. Wo heute Besucher flanieren, wuchsen einst Nutzpflanzen, darunter sogar Mohn. Der Gendarmenmarkt war immer ein Ort des Wandels. Aber gerade deshalb erzählen seine verbliebenen alten Bäume Geschichte so, wie es kein Pflasterstein kann.

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