Fragen am 20. Mai
Wann: Mittwoch, den 20. Mai 2026 um 18 Uhr
Ort: Nikolaihaus (Erdgeschoss), Brüderstraße 13, 10178 Berlin
Rückblick von Wolfram Giese: Berliner Mitte bleibt eine Baustelle
Stadtentwicklungspolitische Sprecher von CDU und SPD ziehen Bilanz beim 16. Historischen Salon der GHB
I
n unerwarteter Einigkeit zeigten sich Johannes Martin, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU, und Mathias Schulz, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD, beim 16. Historischen Salon der Gesellschaft Historisches Berlin. Man habe doch so einiges der Vorhaben zur Berliner Mitte aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt.
Hervorzuheben seien insbesondere die integrierte Planung für die historische Mitte, für die 53 Mio. Euro Fördermittel bereit stünden, die begonnene Umsetzung der Freiraumgestaltung zwischen Fernsehturm und Spree, die Freitreppe am Humboldtforum und die Festlegung der städtebaulichen Leitlinien für das neue Quartier am Molkenmarkt. Unterschiedliche Schwerpunkte setzen die Fachpolitiker allerdings bei der Gestaltung des Quartiers. Während für Johannes Martin Kleinteiligkeit und eine hohe gestalterische Qualität im Vordergrund stehen, betont Mathias Schulz das Ziel bezahlbarer Wohnungen und eines Quartiers für alle.
Hitzig wurde es im Raum, als es um die Umfeldgestaltung des Stadtschlosses ging. Während sich die beiden Politiker mit einer Rückkehr der Rossebändiger an der Lustgartenseite anfreunden könnten, ist eine Rückkehr des Neptunbrunnens oder auch einer Replik auf den Schlossplatz in der Politik kein Thema. Sehr zum Ärger eines Großteils der Veranstaltungsteilnehmer, die nicht nachvollziehen konnten, dass die Politik hier so wenig Wert auf die Wiederherstellung des historischen Schlossumfelds legt.
Auch unabhängig vom Brunnen bleiben auch nach der Abgeordnetenhauswahl im September- im wahrsten Sinne des Wortes - genügend Baustellen in der Berliner Mitte.
Angefangen mit Schinkels Bauakademie, wo zwar nun endlich mit dem Bund Einigkeit hinsichtlich der historischen Gestaltung aller vier Fassaden besteht. Wann es aber mit dem Realisierungswettbewerb, geschweige denn dem Bau weitergeht, bleibt aus finanziellen Gründen völlig unklar. Langsam mahlen die Mühlen auch an der Breiten Straße, wo frühestens im Spätsommer 2027 mit einem Beginn des Baus der geplanten WBM-Gebäude gerechnet werden kann. Auch beim Boulevard Unter den Linden ist weiterhin Geduld gefragt. Die Neubepflanzung des Mittelstreifens mit den fehlenden Linden wird sich wohl noch Jahre hinziehen. Eine Gestaltungssatzung für den Boulevard ist zudem nicht geplant. Anders als der Masterplan u.a. für die Verkehrsplanung der Berliner Mitte - schon lange angekündigt, aber auch hier ruht starr der See.
Egal, wer nach der Abgeordnetenhauswahl im September die künftige Berliner Senatskoalition bildet - die Berliner historische Mitte bietet weiterhin genügend Baustellen.
