Pressestimmen
Das Ende des Kalten Krieges der Architektur
Interview zum Berliner Stadtschloss
Der Schloss-Entwurf von Stephan Braunfels könnte Ost und West versöhnen. Würde der zur Spree zeigende Flügel nicht gebaut, könnte dieser Bau in Mitte ein Signal sein: Die Zukunft nimmt verschiedene Epochen in sich auf. Das erklärt der Architekturtheoretiker Andreas Ruby.
Berliner Zeitzung vom 10.11.2013
Andreas Ruby empfängt standesgemäß in einem Niedrigenergiehaus in der Nähe der Bernauer Straße in Mitte. Die eigene Anwesenheit erzeugt hier schon genug Wärme, um das Büro zu heizen. Ruby ist einer der vielen in die Zukunft denkenden Architekturtheoretiker, für die eine Schloss-Rekonstrukton lächerlich ist. Für die Idee des Architekten Braunfels, auf den Ostflügel des Berliner Stadtschlosses zu verzichten, kann er sich allerdings begeistern. Im Gespräch erklärt er, warum sie eine Versöhnung der verfeindeten Lager bedeuten könnte.
Berlin will mehr Geld für Museumsbauten des Bundes
In den Kultur-Verhandlungen mit der CDU fordert die Berliner SPD eine Aufstockung des Bauetats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Denn die Kosten für die Museumsbauten steigen in Millionenhöhe.
Berliner Morgenpost vom 28.10.2013
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will sich in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU offenbar für mehr Geld für die Museumsbauten des Bundes einsetzen.
Sein Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hatte im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses gesagt, er hoffe auf eine Erhöhung der Mittel für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), denn deren "Bauetat ist in der Tat sehr, sehr eng gestrickt". Berlin finanziert als sogenanntes Sitzland gemeinsam mit dem Bund den Großteil der Stiftung, für den extra ausgewiesenen Bauetat allerdings ist der Bund allein zuständig.
Neuer Projektsteuerer für Sanierung der Staatsoper
Die immer wieder verzögerte Sanierung der Staatsoper Unter den Linden kommt einen wichtigen Schritt voran, heißt es überraschend aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Die Montage der Stahlkonstruktion für das neue Dach über dem Zuschauersaal sei fertig.
Berliner Morgenpost vom 11.10.2013
Mit einer höheren Saaldecke soll die Akustik des Opernhauses deutlich verbessert werden. Heute wird einer von zehn Stahlfachwerk-Trägern montiert. Überhaupt soll der Baufortschritt von heute an über eine Webcam im Internet gezeigt werden.
Ausgehoben ist laut Bauverwaltung auch der sogenannte Trog 4. Damit seien die Voraussetzungen für das unterirdische Bauwerk geschaffen, mit dem das Probezentrum und das Opernhaus verbunden werden sollen. Die Baugrube wird ganze 110 Meter lang sein. Die Arbeiten waren zuletzt in Verzug geraten, nachdem Bauarbeiter in rund 17 Metern Tiefe Pfahlbauten aus dem Mittealter entdeckt hatten. Damit musste die Tunnel-Konstruktion neu geplant und stärker gegen Grundwasser abgedichtet werden. Ebenfalls fertig ist die Abdichtung des Untergeschosses im Bühnenturm.
Kein Geld für Berlins historisches Zentrum
Tagesspiegel vom 26.09.2013 von Ralf Schönball
CDU und SPD streiten um Mitte
Die CDU will die Belebung der Brache vor dem Roten Rathaus voranbringen, die SPD will zuerst den Molkenmarkt entwickeln. Durchgesetzt haben sich jetzt die, die eine breite öffentliche Debatte über die Gestaltung der Mitte Berlins fordern.
Der koalitionsinterne Streit um die Zukunft der historischen Mitte ist aufgeschoben. Die Gegner einer breiten öffentlichen Debatte zur Gestaltung der Freifläche am Roten Rathaus haben sich vorerst durchgesetzt: Im Etat der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind die Mittel für die geplanten öffentlichen Veranstaltungen und den Ideenwettbewerb zur Belebung der zugigen Brache zwischen Breite Straße und Alexanderplatz auf ein Minimum zusammengestrichen.
Das Scharnier im Osten Berlins
Seit die Riegel nördlich des Alexanderplatzes unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, wird wieder heftig um die Ästhetik des Ortes gestritten. Unser Autor plädiert für den Erhalt der DDR-Moderne - und ihren Weiterbau.
Tagesspiegel vom 25.09.2013 von Wolf Eisentraut
Jetzt sind wieder die verbalen Abrissbirnen unterwegs. „TLG-Platte" nennen sie verächtlich die nördliche Begrenzung des Alexanderplatzes und man ahnt, was das heißt: Weg mit den Zeugnissen der DDR-Baukultur. Dabei gab es bereits einen in die Höhe getriebenen radikalen Masterplan zur Überformung des Alexanderplatzes, der aber bisher keine Chance auf Verwirklichung hatte. Mangel an Geld als positives Städtebauregulativ. Die erhofften Investoren sind nicht gekommen, sie wollten keine Häuser bauen, die niemand braucht. Nun bleibt das Kollhoff'sche Hochhauskonvolut ein Turmbau zu Babel, in sich zusammenbrechend, Verwirrung hinterlassend.
Endlich befasst sich nun die Denkmalbehörde mit dem Ende der 1960er Jahre errichteten Bauten am Alexanderplatz. Und schon wird sie als Investitionshemmnis beschimpft. Dabei tut die Behörde, was ihre Aufgabe ist. Nicht eine einseitige ästhetische und schon gar keine geschmackliche Bewertung, sondern die Bewahrung von baulichen Zeugnissen kultureller Identität abgeschlossener Epochen ist das Ziel des Wandels. Dabei geht es nicht um die Frage, ob ein Gebäude irgendjemandem gerade mal nicht gefällt oder gar, wie neulich zu lesen war, nordkoreanische Assoziationen auslöst.
