Gesellschaft Historisches Berlin e.V. - AKTUELL

AUSGABE 2026 - NR. 4
Berlin, den 08.05.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Historischen Berlins,

schon wieder ein Bauskandal:

nl260508 sichtachseMuseum "Berlin Modern"
Feuchtigkeitsschäden am Rohbau
Die Bauverwaltung in Berlin hat offensichtlich immer noch gelernt, wie trockene Untergeschosse im feuchten Untergrund zu bauen sind. Aus den Erfahrungen auf der Museumsinsel hätte man Erkenntnisse erlangen können. Aber nein, ein sehr großes Raumprogramm war nur Untertage zu verwirklichen ¬wegen der Sichtachse zwischen Nationalgalerie und Philharmonie. Foto rechts: Blick auf die Baustelle "Berlin Modern" - Wo ist die Sichtachse?

Wollen wir in solchen Häusern wohnen?

Der „Bau-Turbo“ und eine Projektgesellschaft des Bundes sollen die Wohnungsnot lösen. Aber möchte man mehr von dem, was zurzeit geplant wird?

nl260508 quatier heidestrasseFoto lins:  Quartier Heidestr., Bild SGA BA
Mitte
Die neuen Wohnbauten am Berliner Europaviertel sind dagegen ein mahnendes Beispiel: So trostlos, so monofunktional, so unverhohlen nur auf Rendite ausgerichtet, wurde nicht einmal nach dem Krieg gebaut. Eine Politik, die auf diese Weise nach alten Rezepten optisch trostlose, simpelst gebaute Schlafstädte auf die Wiese ballert, baut sich die sozialen Brennpunkte von morgen. Ein Turbo kann gut sein – aber ein schlechtes Auto wird durch ihn leider nicht besser, sondern bloß gefährlicher.(aus FAZ vom 09.04.2026)

Klingbeils Wohnungstraum lenkt ab
Von Jürgen Kelber in FAZ vom 10.04.2026

Die Politik reagiert auf ein bekanntes Versagen wieder mit einem vertrauten Reflex.
Der Vorstoß von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesbauministerin Verena Hubertz (beide SPD) für eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft des Bundes soll Tatkraft ausstrahlen. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie zuverlässig in Deutschland strukturelle Defizite nicht behoben, sondern mit dem Aufbau neuer Strukturen kaschiert werden sollen. Das produziert noch lange keine Wohnungen. Für privates Kapital ist das ein verheerendes Signal.

Kommen Sie zu unseren Veranstaltungen: Sie erfahren viel Neues zum Thema Städtebau, Diskutieren mit Politikern und anderen Bürgern.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Hoya
Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft Historisches Berlin e. V.

 

Stadtführung Friedrich-Wilhelm-Stadt
Wann: Sonntag, den 10.Mai 2026, 12 Uhr
Treffpunkt: Weidendammerbrücke

 

Kommentar von Gerhard Hoya

Der Dreiklang des Übermorgens
Kritik zum Städtebau in Berlin und Deutschlands Wohnungspolitik

  1. Kernproblem
  • Deutschlands und Berlins Wohnungspolitik braucht ein neues Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
  • Ziel: 20.000 neue Wohnungen pro Jahr – realistischer Erwartungsrahmen, aber bisher verfehlt.
  1. Faktenlage (Berichtslage 2024–2025)
  • 2025 gebaute Wohnungen in Berlin: ca. 14.000 (Vorjahre 15.000–16.000).
  • Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung: 2025 erreicht (ca. 5.000 neue Bewilligungen); 2026 voraussichtlich ~3.500.
  • Gesamtbedarf in Deutschland: ca. 400.000 neue Wohnungen pro Jahr; tatsächliche Neubauleistung ca. <200.000.
  1. Ursachen des Mangels
  • Mietpreiskontrollen als verbreitete Ursache für Ineffizienz und geringere Neubauaktivität.
  • Politische Entscheider erkennen Preisregulierung oft nicht als Hauptproblem, preferieren Deckelung statt gezielter Wohngeld- oder Fördermaßnahmen.
  • Objektförderung (Sozialer Wohnungsbau) verschwendet Fördermittel oft durch Vergabe an Nicht-Bedürftige und kostenbasierte Preissteigerungen von Bauvorhaben.
  1. nl260508 WBM FischerinselStrategische Frage: Wie mehr Wohnraum schaffen?
    Foto rechts: Öffentliche Wohnungsbaugesellschaft WBM, Fischerinsel, Berlin-Mitte
  • Weg aus reinen Staatseingriffen: Notwendig ist verstärkte Beteiligung der Privatwirtschaft für Vielfalt im Städtebau.
  • Kritik an früheren Bauweisen:
    • Kalte, mono volumetrische Neubauten wie in 60er/70er Jahren.
    • Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften gleichen oft historischen Fehlern.
    • Wettbewerbe oft ohne echte Bürgerbeteiligung; wiederkehrende Akteure, die sich gegenseitig bestätigen.
  • Forderung: Reform der Planungsverfahren, mehr Bürgerbeteiligung, architektonisch nachhaltige, vielfältige Quartiere statt rein zahlenorientierter Neubauquote.
  1. Leitprinzipien für eine zukunftsfähige Politik
  • Politische Ziele sollen mit Machbarkeit, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft abgestimmt werden.
  • Bauherren und Behörden sollen nachhaltiger handeln und bedarfsgerechte Lebensräume schaffen:
    • attraktiv, sicher, vielfältig, sozial durchmischt.
  • Reform der Förderinstrumente:
    • Statt ausschließlich Objektförderung (mit Mietpreisvorgaben) stärker Subjektförderung nach Bedürftigkeitsprüfungen.
  1. Fazit
  • Nur ein ausgewogenes Dreieck aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft führt zu effizientem, sozial gerechtem und qualitätsvollem Wohnungsbau.
  • Der Fokus muss von reinen Mietpreisdeckeln weg, hin zu bedarfsgerechter Förderung, Bürgerbeteiligung und architektur-gestützter Nachhaltigkeit.

 


Veranstaltungskalender 2026

GHB5. Stammtisch der Gesellschaft Historisches Berlin

Wann: Mittwoch, 13. Mai um 19.00 Uhr
Wo: „Fischer & Lustig“, Poststraße 26 • 10178 Berlin (fischerundlustig.de)
Dauer: ca. 1,5–2 Stunden 

Format: ein offenes Treffen in lockerer Atmosphäre. Kommen Sie ins Gespräch, lernen Sie Mitstreiterinnen und Mitstreiter kennen und bringen Sie gern kurze Geschichten, Fotos oder Fundstücke aus der Historischen Mitte mit.

Ziel: ungezwungener Austausch, neue Ideen, gemeinsame Vorhaben.
Kostenlos; Spenden/Beiträge freiwillig

Wir freuen uns auf Sie – Gäste und Interessierte sind ausdrücklich willkommen!

Anmeldung (erwünscht): bitte kurz per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Telefon

Heiko Mehnert, Organisatorenteam, Kontakt: 030 / 434 90 688 und Gerhard Hoya Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

nicloaihaus16. Historischer Salon

Mehr Friedrich Nicolai wagen - wie kann die Berliner Mitte wieder lebendiger und menschenfreundlicher werden?"

Wann: Mittwoch, den 20. Mai 2026 um 18 Uhr
Ort: Nikolaihaus (Erdgeschoss), Brüderstraße 13, 10178 Berlin

Viele Brachflächen, die steinerne Einöde rund um das Stadtschloss, das unvollendete Einheits- und Freiheitsdenkmal und die weiter auf sich warten lassende Rekonstruktion von Schinkels Bauakademie bieten derweil ein Bild der Trostlosigkeit. Bei vielen dieser Orte ist der Bund als Eigentümer, aber auch Finanzier gefragt, die Dinge zum Besseren zu wenden.

Wie und wo bringt sich Berlin ein?

Wird sich der Bund damit abfinden, dass das Land Berlin keine Rückkehr des Neptunbrunnens vor das Schloss plant? Gibt es Alternativplanungen bei einem möglichen endgültigen Scheitern des Freiheits- und Einheitsdenkmals? Was geschieht mit den Grundstücksflächen des Bundes im Bereich der Breiten Straße?

Wie kann die Berliner Historische Mitte wieder lebendiger und menschenfreundlicher werden?

Die Abgeordneten Johannes Martin und Mathias Schulz haben zugesagt, über die historische Mitte mit uns zu diskutieren.

Seien Sie mit dabei und melden sich bitte beim stellvertretenden Vorsitzenden der GHB Wolfram Giese (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. bis zum 15. Mai 2026 an. Die Plätze sind begrenzt und Anmeldungen werden nach der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt

 

nl3 26 friedrich der grosseStadtführung: Denkmälern in der historischen Mitte

Mit Dr. Jörg Kuhn

Wann: Samstag, 06. Juni um 11.00 Uhr
Treffpunkt: U-Bhf Unter den Linden / Universitätsstraße
Dauer: ca. 1,5–2 Stunden

Fachkundige Führung zu Denkmälern in der historischen Mitte - Friedrich der Große, Generäle an der Neuen Wache usw.  mit dem Kunsthistoriker Dr. Jörg Kuhn. 

 


SPENDENAUFRUF

UNTERSTÜTZEN SIE UNS MIT IHRER SPENDE, DAMIT WIR AUCH WEITERHIN UNSERER PROJEKTE IN ATTRAKTIVER FORM PUBLIZIEREN KÖNNEN

spende ueberweisungstraegerHerzlichen Dank allen Spenderinnen und Spender, die die Arbeit der GHB in den zurückliegenden Jahren tatkräftig unterstützt haben. Ihre Spende trug dazu bei, dass wir die Ziele unseres Vereins ver-wirklichen konnten und durch Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen, Führungen und Veröffentli-chungen das Historische Berlin vielen Bürgern und Besuchern unserer Stadt näherbringen konnten.
Das historische Berlin ist das Fundament für die Identität Berlins. Dieses Fundament zu erhalten, ist heutzutage keine leichte Aufgabe, insbesondere unter den aktuellen politischen Gegebenheiten.

Die begonnene Arbeit wollen wir verstärkt fortsetzen. Wir arbeiten zur Zeit an Visualisierungen zum Klosterviertel und am Projekt „Intensivierung der GHB-Öffentlichkeitsarbeit“.

Kostenerhöhungen und die demografische Entwicklung in unserer Mitgliedschaft engen unsere finan-ziellen Möglichkeiten ein. Auch die aktive Teilhabe der Mitglieder nimmt aufgrund der Überalterung ab, was zur vermehrten Beschäftigung von Dienstleistern und somit zu höheren Ausgaben führt.

Bitte helfen Sie uns weiterhin mit einer Spende! Jeder Geldbetrag zählt! Unser Verein ist gemeinnützig und darf Spendenquittungen ausstellen.

 


Aktuelle Presse

Bauentwicklung allg. / Kultur / Politik / Berlin Mitte:

Wollen wir in solchen Häusern wohnen?
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.04.2026 von Niklas Maak
Es gibt sicherlich ein paar Menschen in diesem Land, die stolz von sich sagen können, dass sie ihr Gehalt in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt oder zumindest um fünfzig Prozent gesteigert haben. Eine Mehrheit ist diese Gruppe aber sicherlich nicht – und deswegen sind die Zahlen, die die Bundesregierung jetzt zum Anstieg der Mieten in Deutschland veröffentlicht, nicht weniger als das Porträt einer sozialen Katastrophe: In Berlin liegen die Angebotsmieten fast 70 Prozent höher als vor zehn Jahren, in Frankfurt, wo Normalverdiener schon 2016 kaum eine bezahlbare Wohnung fanden, sind es 40 Prozent, bundesweit liegt der Anstieg bei durchschnittlich 43 Prozent: Wer in München wohnen will, muss sich bei Neuvermietungen auf Durchschnittspreise von mehr als 21 Euro pro Quadratmeter einstellen.

Ein Architekt als Medienstratege - Otto Wagner und die Fotografie
Bauwelt vom 10.04.2026 von Bernhard Schulz
Bei umstrittenen Bauvorhaben wie dem Berliner „Museum der Moderne“ wird immer wieder gefordert, den Entwurf durch die Simulation zumindest eines Teils des geplanten Bauwerks im Maßstab 1:1 anschaulich zu machen. Abwegig ist dieses Ansinnen durchaus nicht. Es gibt einen historischen Präzedenzfall: den Entwurf für das Wiener Stadtmuseum am Karlsplatz.

Der Bund ist kein guter Bauherr
FAZ 10.04.2026 von Julia Löhr
Seit rund 15 Jahren wird in Deutschland über Wohnungsmangel und steigende Mieten geklagt. Die Probleme konzentrieren sich auf die Großstädte und deren Umland. Ein Nischenphänomen sind sie gleichwohl nicht. Mehr als 70 Prozent der Menschen in Deutschland leben in diesen Regionen, und das überdurchschnittlich häufig zur Miete. Sobald sich Nachwuchs ankündigt, eine Eigenbedarfskündigung ins Haus flattert oder ein Stellenangebot in einer anderen Stadt lockt, wird die Krise auf dem Wohnungsmarkt zur persönlichen Existenzfrage: Wie findet man ein neues, bezahlbares Zuhause, wenn die Nachfrage nach Wohnraum so viel größer ist als das Angebot? Aktuell nur mit viel Glück und einer ausgeprägten Frustrationstoleranz.

Klingbeils Wohnungstraum lenkt ab
FAZ vom 10.04.2026 von Jürgen Kelber
Die Politik reagiert auf ein bekanntes Versagen wieder mit einem vertrauten Reflex.
Der Vorstoß von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesbauministerin Verena Hubertz (beide SPD)für eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft des Bundes soll Tatkraft ausstrahlen. Tatsächlich zeigt er vor allem, wie zuverlässig in Deutschland strukturelle Defizite nicht behoben, sondern mit dem Aufbau neuer Strukturen kaschiert werden sollen. Das produziert noch lange keine Wohnungen.

Schloss-Intendant setzt Förderverein vor die Tür
BZ vom 13.04.2026 von Gunnar Schupelius
Berlin – Der Verein sammelte 110 Millionen Euro Spenden für die Schlossfassade. Dennoch dürfen die Förderer ihre Arbeit im Schloss nicht mehr präsentieren

Bundesbaugesellschaft? Noch mehr Staat braucht am Wohnungsmarkt wirklich niemand
Welt vom 13.04.2026 von Michael Höfling
In Deutschland fehlen mindestens 600.000 bis 800.000 Wohnungen, stellenweise findet sich sogar die Zahl 1,4 Millionen. Zugleich sinkt die Zahl der Baugenehmigungen dramatisch, und der Neubau droht für 2026 unter die Marke von 200.000 Wohneinheiten zu fallen. Der Iran-Krieg wiederum hat schon in den ersten Wochen dafür gesorgt, dass Baustoffe um bis zu zehn Prozent teurer wurden.

Lachende Dritte
WirtschaftsWoche vom 17.04.2026 von Felix Petruschke
Der deutsche Volksblick auf Berlin ist von Klischees und Vorurteilen geprägt. Chaotisch und dysfunktional sei die Hauptstadt, insbesondere ihre Politik. Als besonders dysfunktional sticht dabei heraus: der Berliner Wohnungsmarkt.

Geniales Plagiat
FAZ vom 20.04.2026 von Matthias Alexander
Das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens führt einen Klassiker der Architekturmoderne seiner eigentlichen Bestimmung zu. Jetzt muss nur noch der Einzelhandel daran gehindert werden, sich durch das Gebäude Christoph Mäcklers zu fressen. Die ersten Verhunzer sind schon am Werk.

Berlin Modern“ rückt in die 2030er – Probleme im Rohbau bremsen Baufortschritt
Entwicklungsstadt vom 24.04.2026 von Karin Schütte
Der von Herzog & de Meuron entworfene Bau mit seiner zurückhaltenden, mineralischen Fassade und nachhaltigem Energiekonzept soll nach aktuellem Stand voraussichtlich erst um die Mitte des Jahres 2030 fertiggestellt werden.

Karl Marx und Friedrich Engels auf der Baustelle – die Bronzefiguren gehören seit 1986 zum Marx-Engels-Forum
Morgenpost vom 27.04.2026
Mitte Das Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte bleibt noch mehr als eineinhalb Jahre eine Baustelle. Die überlebensgroßen Bronzefiguren von Karl Marx und Friedrich Engels, die dort seit 1986 in Richtung Fernsehturm blicken, sind bis zum Abschluss der Baumaßnahmen voraussichtlich Ende 2027 nicht öffentlich zugänglich. Das teilte die Senatsverwaltung für Mobilität und Umwelt auf dpa-Anfrage mit. Die Figuren waren 2010 für den Weiterbau der U-Bahnlinie U5 versetzt worden und kehrten erst 2022 zurück.

Am 20. ist Badetag – Mitschwimm-Demos starten wieder
berliner-abendblatt.de vom 27.04.2026
Die erste Demo im Spreekanal in diesem Jahr ist entsprechend für den 20. Mai geplant – 101 Jahre, nachdem das Verbot in Kraft getreten ist, das Baden in der innerstädtischen Spree untersagt.
Damals waren die zunehmende Verschmutzung des Flusses und damit verbundene Gesundheitsgefahren der Anlass. Heute ist das Baden nach wie vor verboten – die Umweltverwaltung könnte das ändern, hat das bisher aber abgelehnt.

Die Siemensbahn kommt zurück – „2029 ist eigentlich gleich morgen“
Morgenpost vom 29.04.2026 von Florentine Luise Lippmann
Berlin Zwischen Charlottenburg und Spandau liegt eine S-Bahn-Strecke seit 45 Jahren still. Die Gleise sind überwuchert, die Bahnhöfe verfallen, der alte Stahlviadukt trägt heute mehr Rost als Farbe und ist an vielen Stellen mit Grünzeug überwuchert. Die Siemensbahn, einst täglich von Zehntausenden Arbeitern von Siemens genutzt, verschwand 1980 aus dem Berliner Stadtbild. In gut drei Jahren soll sie zurückkehren. Am 20. Dezember 2029 soll hier wieder eine S-Bahn fahren.

 WBM will 10.000 neue Wohnungen in Berlin bauen
Tagesspiegel vom 29.04.2026 von Robert Klages
Bereits rund 85.000 Berliner Mieterinnen und Mieter leben in rund 35.000 Wohnungen der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH. Das städtische Unternehmen agiert größtenteils im Ostteil der Stadt: Friedrichshain, Treptow, Lichtenberg, Mitte. Hinzu kommen 314.000 Quadratmeter Gewerbefläche.

Alle gesammelten Pressestimmen finden auf unserer Homepage unter diesem Link

 

Offener Brief der Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine:

Berliner Historische Mitte
Errichtungsstiftung Bauakademie
Gesellschaft Historisches Berlin e.V.
Stadtbild Deutschland, Ortsverband Berlin
Stiftung Mitte Berlin

Herrn Dr. Wolfram Weimer
Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
Köthener Straße 2
10963 Berlin

Berlin, den 19.04.2026

Sehr geehrter Herr Dr. Weimer,

wir, die Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine, wenden uns an Sie als Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Humboldtforum im Berliner Schloss.

Als bürgerschaftliche Vereine und Initiativen, deren Arbeitsschwerpunkt die historische Mitte Berlins ist, wissen wir um die Bedeutung des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses für die Heilung der durch Krieg und Teilung beschädigten Integrität des Berliner Stadtzentrums. Ohne die Leistung des Fördervereins Berliner Schloss wäre diese Rekonstruktion nicht zustande gekommen.

Umso mehr befremdet uns, dass der Vorstand der Stiftung Humboldtforum unter Prof. Hartmut Dorgerloh den Mietvertrag des Fördervereins in den Räumen des Humboldtforums gegen dessen Willen hat auslaufen zu lassen.

Wir meinen: wenn der Förderverein Berliner Schloss es für sinnvoll hält, seine Arbeit dort auszu-stellen, wäre es ein selbstverständliches Gebot der Dankbarkeit und Anerkennung, ihm dies auch weiterhin zu ermöglichen.

Auch ist für uns unverständlich, dass Prof. Dorgerloh das Angebot des Fördervereins ablehnt, Spendenmittel für die Rekonstruktion des Großen Treppenhauses hinter dem Portalrisalit im Schlüterhof zu sammeln. Er erklärt die Rekonstruktion des Schlossbaus als abgeschlossen und möchte keine weitere Störung des Museumsbetriebs durch Baumaßnahmen.

Die im Ostflügel des Gebäudes befindliche Raumaussparung für den Wiederaufbau des Treppen-hauses, in der heute bauzeitliche Skulpturen und Spolien ausgestellt werden, ist jedoch überhaupt nicht mit dem eigentlichen Museumsbetrieb verbunden. Andere Baumaßnahmen seit Eröffnung der Ausstellungen im Humboldtforum, wie die Rekonstruktion der historischen Portaldurchgänge, wurden ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Museumsbetriebs durchgeführt.

Wir halten dieses Argument daher für vorgeschoben, um nicht klar auszusprechen, dass man den Förderverein nicht länger im Haus haben will und jegliche weitere Rekonstruktion ablehnt, egal wie sinnvoll diese auch sein mag.

Das ab 1699 nach Entwürfen von Andreas Schlüter erbaute Große Treppenhaus war eines der be-deutendsten Kulturbauwerke des deutschen Barocks. Seine Zerstörung beim Abbruch des Schlosses 1950 war ein schwerer Verlust für Berlin und das deutsche Baukulturerbe.

Ein wiedergewonnenes Raumkunstwerk diesen Ranges wäre eine Bereicherung und kultureller Anziehungspunkt für die Bundeshauptstadt und würde die Authentizität der Schlossrekonstruktion unterstreichen. Es könnte indirekte Einnahmen generieren und vielen Bau- und Kunsthandwerkern über Jahre Arbeit verschaffen.

Herr Minister Weimer, Sie haben wiederholt die Bedeutung der Rekonstruktion des Schlossbaus für Berlin und Deutschland herausgestellt, sich als „Fan der ersten Stunde“ bezeichnet. Bitte lassen Sie nicht zu, dass das Geschenk des historischen Treppenhauses, das der Förderverein anbietet, aus fragwürdigen Gründen abgelehnt wird. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel gilt es, die Bedeutung einer bürgerschaftlichen Spendenfinanzierung für Kulturprojekte dieser Art zu würdigen und alle Hindernisse zu beseitigen, die dem entgegenstehen.

Auch der Vorstand der Stiftung Humboldtforum sollte dies beherzigen. Er handelt letztlich ohne de-mokratisches Mandat, allein aus eigenem Gutdünken und nicht im Sinne dessen, was für Berlin und die Baukultur unseres Landes den größten Vorteil böte. Daher sollte auch die personelle Besetzung des Stiftungsvorstands überdacht werden.

Mit freundlichen Grüßen,

gez.

Hubertus Müller (für die Berliner Historische Mitte)
Wolfgang Schoele (für die  Errichtungsstiftung Bauakademie)
Gerhard Hoya (für die Gesellschaft Historisches Berlin e.V.)
Dr. Peter Dobrick (für den Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland)
Dr. Benedikt Goebel (für die Stiftung Mitte Berlin)

Die Allianz der baukulturellen Berliner Bürgervereine ist die Arbeitsgemeinschaft der folgenden Berliner Vereine und Initiativen:
Berliner Historische Mitte; Errichtungsstiftung Bauakademie; Gesellschaft Historisches Berlin; Stadtbild Deutschland, Ortsverband Berlin; Stiftung Mitte Berlin.

 

Inhaltlich verantwortlich gemäß § 55 Abs. 2 RStV

Gerhard Hoya - Vorstandsvorsitzender
Gesellschaft Historisches Berlin e.V.
Wilhelmstraße 88
D-10117 Berlin

 

Tel. 030 - 20 45 47 46
Fax. 030 - 20 45 47 47
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