Hier sind Parlamentarier wie Könige

Friedrich der Große hat es errichtet, die Bomben des zweiten Weltkriegs haben es beschädigt, das DDR-Regime hat es gesprengt: das Potsdamer Stadtschloss. Nun ist es wieder aufgebaut und soll als Landtag dienen - am Wochenende wird es eröffnet.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.01.2014  von Dieter Bartetzko

Wer bisher Potsdam als die Perle des preußischen Barock und Klassizismus erleben wollte, schloss bei der Ankunft am besten die Augen. Denn die Bomben des Zweiten Weltkriegs und die Sprengkommandos der DDR hatten das hinreißende Entree der Stadt ausradiert: Statt des Stadtschlosses, des palaisumstandenen Alten Markts und des die Havel säumenden Lustgartens gähnte eine winddurchtoste Brache. Über sie wälzte sich eine achtspurige Verkehrsstraße. Und an ihrem Rand fröstelten, als verlorene Solitäre restauriert, das Rathaus und das Knobelsdorff-Haus, suchte die mächtige Kuppelkirche St. Nikolai vergeblich Halt in umgebender Bebauung.

Aus Liebe zur Leere

Verwegen: Eine Charta zur historischen Mitte Berlins
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Januar 2013 von Andreas Kilb

Da sitzen vier Leute, ein Historiker, ein Journalist und zwei Stadtplaner, im großen Saal einer Privatgalerie hinter dem Roten Rathaus und stellen eine "Charta für die Mitte von Berlin" vor. Wovon handelt sie? Von der Wiedererweckung der Stadt. Ja, schläft sie denn immer noch? In der Tat, das tut sie. Zur Illustration läuft ein kleiner Film, der den Stand der Dinge zwischen Alexander- und Schlossplatz, also dort, wo einmal das älteste, ursprüngliche Berlin lag, vor achtzig Jahren und heute an wichtigen Beispielen zeigt. Damals: Häuser, Läden, Plätze, Passanten, Kaufhäuser, Denkmäler, Kirchen. Heute: Autos. Ampeln. Sechsspurige Straßen. Bauzäune. Brachen. Verlottertes Grün.

Sorge um das historische Zentrum

Pläne für Berlins Mitte

Berlins Mitte hat ein Identitätsproblem. Daran ändern auch die neuen Etiketten der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher nichts, meint unser Autor Ralf Schönball. Der Gestaltungsplan für die historischen Stadtmitte geht nur einer Forderung nach, die der Bund schon lange erhebt.

Tagesspiegel vom 26.11.2013 von Ralf Schönball

Im neuen Entstehen: das Stadtschloss in Mitte wächst nach und nach aus der Baugrube heraus. Foto: imagoIm neuen Entstehen: das Stadtschloss in Mitte wächst nach und nach aus der Baugrube heraus.
- Foto: imagoDas ist mal eine gute Idee: Die Quartiere im Zentrum Berlins danach zu benennen, wodurch sie sich auszeichnen, wofür sie stehen. Das deutlicher zu machen, wäre gerade im historischen Zentrum ein Fortschritt. Denn wer geht schon freiwillig zum Petriplatz oder zum Fernsehturm?

Das Ende des Kalten Krieges der Architektur

Interview zum Berliner Stadtschloss

Der Schloss-Entwurf von Stephan Braunfels könnte Ost und West versöhnen. Würde der zur Spree zeigende Flügel nicht gebaut, könnte dieser Bau in Mitte ein Signal sein: Die Zukunft nimmt verschiedene Epochen in sich auf. Das erklärt der Architekturtheoretiker Andreas Ruby.

Berliner Zeitzung vom 10.11.2013

Andreas Ruby empfängt standesgemäß in einem Niedrigenergiehaus in der Nähe der Bernauer Straße in Mitte. Die eigene Anwesenheit erzeugt hier schon genug Wärme, um das Büro zu heizen. Ruby ist einer der vielen in die Zukunft denkenden Architekturtheoretiker, für die eine Schloss-Rekonstrukton lächerlich ist. Für die Idee des Architekten Braunfels, auf den Ostflügel des Berliner Stadtschlosses zu verzichten, kann er sich allerdings begeistern. Im Gespräch erklärt er, warum sie eine Versöhnung der verfeindeten Lager bedeuten könnte.

Berlin will mehr Geld für Museumsbauten des Bundes

In den Kultur-Verhandlungen mit der CDU fordert die Berliner SPD eine Aufstockung des Bauetats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Denn die Kosten für die Museumsbauten steigen in Millionenhöhe.

Berliner Morgenpost vom 28.10.2013

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will sich in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU offenbar für mehr Geld für die Museumsbauten des Bundes einsetzen.

Sein Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) hatte im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses gesagt, er hoffe auf eine Erhöhung der Mittel für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), denn deren "Bauetat ist in der Tat sehr, sehr eng gestrickt". Berlin finanziert als sogenanntes Sitzland gemeinsam mit dem Bund den Großteil der Stiftung, für den extra ausgewiesenen Bauetat allerdings ist der Bund allein zuständig.