Berliner SPD droht an der Baupolitik zu scheitern

Auf beängstigende Weise geraten die Berliner Sozialdemokraten im Senat und ihr Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in den Ruch, zu spät zu schnell Versäumtes nachholen zu wollen - besonders in der Baupolitik. Vor allem der zuständige Senator wird immer mehr zum Problem.

Der Tagesspiegel vom 18.05.2013 von von Ralf Schönball

Fast immer rächt es sich, der Realität nicht ins Auge blicken zu wollen. Parteien und Patrone, die allzu lange die Macht umklammern, geraten in diese Lage, wenn sie zu oft zu viel aussitzen – und plötzlich zu spät zu schnell Versäumtes nachholen wollen. Auf beängstigende Weise geraten die Berliner Sozialdemokraten im Senat und ihr Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in den Ruch, just in diese Falle zu tappen.

Debatte um Bauausstellung spitzt sich zu

IBA 2020 im Stadtzentrum? Der Widerstand gegen die Pläne von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher wächst. Das Aus für ihre Pläne, die Internationale Bauausstellung am Stadtrand anzusiedeln, steht wohl bevor. Dass die IBA in ihrer bisherigen Form nicht vermittelbar war, kann allerdings kaum am Geld gelegen haben.

Der Tagesspiegel vom 17.05.2013 von von Ralf Schönball

Die Internationale Bauausstellung hat Strahlkraft. Ob in den 50er oder 80er Jahren, bisher krempelte noch jede IBA die Stadt um, ersann neue Bautypen und Grundrisse und schuf Tausende neuer Wohnungen. Und weil die Not auf dem Wohnungsmarkt zur Zeit der IBA 1987 ähnlich groß war wie heute, stellte sich spektakuläre Architektur in den Dienst der Gemeinschaft und schuf Wohnraum für Haushalte mit geringen Einkünften. Daran will der Senat mit seinen Plänen für eine IBA 2020 anknüpfen. Doch das Millionenprojekt steht vor dem Aus.

Sandkastenspiele in der Draußenstadt

Eine Gruppe angesehener Planer fordert ein Architekturkonzept für Berlins Mitte

Die Welt vom 15.05.2013 von Dankwart Guratzsch

Was wird aus Berlin? Seit mehr als einem halben Jahrzehnt erlebt die deutsche Öffentlichkeit eine Stagnation der Hauptstadtplanung, die den ungeheuren Herausforderungen an eine Metropole des 21. Jahrhunderts nicht angemessen ist. Nun soll – ohne überhaupt zu wissen, mit welchem Ziel und welchem Inhalt – eine neue Internationale Bauausstellung (IBA) "Berlin 2020" alles rausreißen. Schon allein die Vorstellung des Stadtentwicklungssenators Müller und seiner glück(und farb)losen Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, den Schauplatz dafür in die "Draußenstadt" (also an den Stadtrand) zu verlegen, klingt wie ein verspäteter Aprilscherz. Denn noch ist ja nicht einmal die Mitte Berlins wieder aufgebaut. Sie wartet noch immer auf Reparatur, Sanierung und Aufwertung.

Der Alexanderplatz braucht keine Krone aus Wolkenkratzern

Hans Kollhoffs Idealstadtvision der zehn Hochhäuser ist gescheitert. Eine einheitliche Traufhöhe wäre stadtgestalterisch unsinnig – denn der Himmel ist offen.

Der Tagesspiegel vom 11.05.2013 von Florian Mausbach

Der Alex ist nicht der Mittelpunkt der Stadt. Er war und ist seit Döblins Zeiten das große Versorgungs- und Einkaufszentrum des Ostens. In der geteilten Stadt war er nur zeitweilig Zentrum von „Berlin – Hauptstadt der DDR", Teil der repräsentativen Ost-West-Staatsachse der DDR. Während rundum die Altbauviertel verfielen, strebte die DDR mit dem höchsten deutschen Fernsehturm und dem Forum-Hotel als höchstem Berliner Hochhaus nach „Weltniveau". In der Mitte des Platzes sehnte sich die Weltzeituhr nach unerreichbar fernen Metropolen. Über die Weite des Platzes aber wehte der Wind der Taiga. In der Begeisterung des Mauerfalls richtete sich der faszinierte Blick der Planer aus dem Westen auf den unbekannten Osten.

Neuer Sinn für die Stadtmitte Berlins

Mit dem bisherigen Konzept zur Internationalen Bauausstellung 2020 blamiert sich Berlin. Auch deshalb spricht viel für die Idee von SPD-Landeschef Jan Stöß.

Der Tagesspiegel vom 02.05.2013 von Harald Bodenschatz

Mit der IBA 2020 hat Berlin bislang trotz mehrjähriger Suche und kostspieliger Vorbereitungen keine Lorbeeren ernten können: Das IBA-Konzept ist diffus, es gibt keine griffigen Botschaften, keine verständlichen Orte, keine überzeugenden Leitprojekte. Kaum jemand außerhalb der Fachwelt versteht, was für eine IBA der Senat überhaupt will. In dieser verfahrenen Situation hat Jan Stöß einen neuen Vorschlag in den Ring geworfen: eine IBA Stadtmitte. Die Reaktionen waren, wie erwartet, widersprüchlich: Für eine solche IBA bestehe kein Handlungsbedarf, das haben wir alles im Griff, das ist doch alles nur eine nostalgische Idee von grauköpfigen Herren, dafür ist die Zeit noch nicht reif.