Machtkampf zwischen Moderne und Klassik

Die neue Initiative Schinkelplatz will eine "Bausünde" in der historischen Stadtmitte verhindern - Proteste am Wochenende

Berliner Morgenpost vom 8.10.2012 - von Katja Heise

Jürgen Aha wohnt in Frankfurt am Main, das hindert ihn aber nicht daran, über ein Bauvorhaben im Zentrum Berlins klare Worte zu finden: "Das geplante Bürogebäude am Schinkelplatz ist eine architektonische Entgleisung." Deshalb hat Aha die Protestbewegung "Schinkelplatz- Initiative Berlin" mitgegründet, um die geplante "Bausünde" zwischen Friedrichswerderscher Kirche und Berliner Bauakademie in Mitte an der Niederlagstraße zu verhindern. Er ist als Inhaber einer Werbeagentur mit Sitz in Berlin regelmäßig in der Hauptstadt. Doch wenn er hier seinen Kindern die Architektur zeigt, fände er es schrecklich, wenn am historischen Schinkelplatz das geplante Gebäude entstehe.

Beim Denkmalschutz sind die Berliner Spitze

Bundesweite Befragung ergibt überraschend positive Werte für den Umgang mit historischer Bausubstanz

Berliner Morgenpost vom 5.10.2012 - von  Isabell Jürgens

Seit Jahren wird in Berlin erbittert um die Gestaltung der historischen Mitte zwischen Museumsinsel und Alexanderplatz gerungen. Denn auch 23 Jahre nach dem Fall der Mauer ist noch völlig offen, wie es auf dem von der DDR-Regierung für das damalige Staatsforum frei geräumten Arealen der ehemaligen Altstadt planerisch weitergehen soll. Während in zahlreichen Initiativen organisierte Bürger das mangelnde Geschichtsbewusstsein der Berliner Stadtplaner beklagen, kommt eine bundesweite Bevölkerungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zu einer ganz anderen Bewertung. Dresden und Berlin, so das Ergebnis der Befragung, sei es unter den großen deutschen Städten am besten gelungen, die historische Bausubstanz zu erhalten.

 

Bausünde am Schinkelplatz

Eine neue Initiative hat sich gegründet, um moderne Architektur in der historischen Mitte zu verhindern. Mit einer Protestaktion am Sonnabend sollen der Bau eines Bürogebäudes sowie mehrerer Wohnhäuser in der vom Senat gewollten, modernen Architektur gestoppt werden.

Berliner Zeitung vom 5.10.2012 - von Uwe Aulich 

Die Kritik an den modernen Entwürfen für neue Gebäude am Schinkelplatz reißt nicht ab. Um eine „Bausünde" in der historischen Innenstadt zu verhindern, hat sich in dieser Woche eine Schinkelplatz-Initiative gegründet. Zu den Initiatoren zählt die ehemalige Chefin der Gesellschaft Historisches Berlin, Annette Ahme.

 

Berliner Schlossplatz

Unter den Linden droht eine neue Bausünde. Wer hält diese Architekten auf?

BZ - 3.Oktober 2012 von Gunnar Schupelius

Sehen Sie sich bitte das Haus auf diesem Foto an.
Sie sehen 38 rechteckige Fensterhöhlen, eine quadratische Tür und kein Dach.

Dieses Modell bekam den 1. Preis in einem Architekten-Wettbewerb der Stadt Berlin.

Es handelt sich um ein Bürogebäude, das die Münchner Firma Moll errichten will. Direkt gegenüber dem Schlossplatz, hinter der Kommandantur (Bertelsmann, Unter den Linden 1).

Der passende Rahmen fürs Schloss

Streit gab es schon vor Beginn des internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Schlossumfeldes: Modern oder nach historischen Vorbildern - darüber scheiden sich die Geister. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bezieht Stellung.

Der Tagesspiegel, 14.09.2012 - von Ralf Schönball

Streit hatte es schon gegeben, als der Rahmen für diesen Wettbewerb noch gar nicht abgesteckt war. Jetzt ist er gestartet: Der Aufruf an die besten internationalen Landschaftsarchitekten, ihre Vorschläge zur Gestaltung des Umfeldes von Berlins wohl spektakulärstem Neubauprojekt einzureichen, dem Schloss. Auf 38 000 Quadratmetern Grundstück und öffentlichen Flächen ist Platz für Wege, Kunst, Skulpturen, Grünflächen und Wasserspiele. Zehn Millionen Euro umfasst das Budget. Die Gewinner erhalten neben Preisgeldern von mehr als 80 000 Euro größtmögliche Öffentlichkeit – auf vermintem historischen Terrain.