Ein Ort, zwei verschiedene Zukunftswelten

Debatte um historische Mitte von Berlin - Monatelang wurde über das leere Areal um die Marienkirche eine Bürgerdebatte geführt. Die Gretchenfrage lautet: Soll das Quartier luftig bleiben? Oder sollte es auf historischem Grundriss wieder eng bebaut werden? Am Samstag wurden zehn Leitlinien vorgestellt.
Der Tagesspiegel vom 29.11.2015 - Von Andreas Conrad

Zankapfel Mitte. Die historische Mitte um die Marienkirche südwestlich des Fernsehturms also zwischen Karl-Liebknecht-Straße, Rotem Rathaus, Alex und Spree, soll zur grünen Oase werden -so lautet zumindest eine kontroverse Leitlinie der Stadtdebatte.

Eines zumindest kann man für die Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ auf der Habenseite verbuchen: Zehn „Bürgerleitlinien“ sind übersichtlicher als fünfzehn. Anfang September hatte Senatsbaudirektorin Regina Lüscher diese 15 vorläufigen Thesen zur neuen Mitte publik gemacht, als Halbzeitergebnis der Debatte. Am Sonnabend nun, nach weiterem Online-Dialog, nach Bürgerwerkstatt, Fachkolloquium und mehr, konnte sie am frühen Nachmittag gemeinsam mit Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) das auf zehn geschrumpfte Bündel der Maximen vorstellen, auf das sich die Teilnehmer der Debatte als, wenn man so will, kleinsten gemeinsamen Nenner jenseits aller bestehenden Unterschiede geeinigt haben.

Stadtplanung Hochhuth will Neptunbrunnen am Fernsehturm lassen

Streitobjekt: der Neptunbrunnen am Alexanderplatz
Der Dramatiker Rolf Hochhuth plädiert gegen die Versethzung des Neptunbrunnens. Er fordert vom Land einen Wettbewerb für eine neue Anlage.

Berliner Morgenpost vom 28.11.2015 -  Von Helga Labenski

Über die Zukunft des Neptunbrunnens auf dem Alexanderplatz ist noch nicht entschieden. Zum Ärger von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) und vieler Berliner Oppositionspolitiker hat der Bund bereits zehn Millionen Euro für den Umzug auf den Schloßplatz freigegeben. Mit einem überraschenden Vorschlag befeuert jetzt der Dramatiker Rolf Hochhuth die laufende Debatte über Sinn und Unsinn eines Standortwechsels der Brunnenanlage aus dem Jahre 1891.

In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator, Michael Müller (SPD), regt Hochhuth einen Wettbewerb für einen neuen Brunnen in Berlin an. Ein Wettbewerb werde "zweifellos sehr viel weniger kosten als die horrenden Summen", die für den Standortwechsel genannt würden, argumentiert Hochhuth.

Turmübung am Alex

Der Masterplan für das Areal wurde überarbeitet: weniger Hochhäuser, dafür mehrere „Satellitenplätze“
Der Tagesspiegel vom 25.11.2015 von Ralf Schön­ball

Ausgelassene Stimmung kam nicht wirklich auf bei der gemeinsamen Vorstellung des überarbeiteten Masterplans für den Alexanderplatz durch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Hans Kollhoff.

Immerhin, dass Berlins Architektenlegende sogar die Mühen eines teils öffentlichen Workshops auf sich nahm, um sein Frühwerk aus dem Jahre 1993 selbst zu überarbeiten, das darf sich die Senatsbaudirektorin durch­aus als Coup zugute halten. Zumal sich der schärfste Kritiker ih­rer Stadtplanung in den vergangenen Jahren nunmehr selbst für dieselbe verdingt.

Neptun soll umziehen

Bund bewilligt Mittel für Verlegung des Neptunbrunnens – und schaltet sich so in die Debatte ein
Der Westen vom 14.11.2015 von Isabell Jürgens

Gleich zwei überraschende Neuigkeiten hatte Florian Pronold, der Vorsitzende des Stiftungsrates und parlamentarischer Staatssekretär, Freitagfrüh zum Rundgang über die Schloss-baustelle mitgebracht. „Der Haushalts-ausschuss des Bundestages hat Mittel bewilligt, die den künftigen Publikumsmagneten Berliner Schloss weiter befördern werden“, sagte Pronold. So habe der Haushaltsausschuss zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, damit der historische Neptunbrunnen, der derzeit noch vor dem Roten Rathaus steht, wieder an seinen historischen Standort auf den Schloßplatz zurück verlegt werden könne. Weitere fünf Millionen Euro sollen dafür sorgen, dass direkt unter der Schlosskuppel in 30 Meter Höhe ein Dachrestaurant mit Panoramaterrasse entsteht.

Berlin lehnt Umzug des Neptunbrunnens ab

Millionen für Stadtentwicklung - Der Bund zahlt den Umzug vom Neptunbrunnen in Berlin-Mitte vors Schloss. Bausenator Geisel lehnt vorerst dankend ab. Und das Schloss bekommt ein Dachrestaurant. Weg vom Fernsehturm: Der Neptunbrunnen in der Nähe vom Alexanderplatz soll vors neue Stadtschloss.
Der Tagesspiegel vom 13.11.2015 von Ralf Schönball

Der Durchbruch bei der Neugestaltung von Berlin-Mitte muss warten. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat in der Nacht zu Freitag Millionen für die Gestaltung des Schloss-Umfeldes bewilligt: Zehn Millionen Euro stellt der Bund für die Rückkehr des Neptunbrunnens an seinen ursprünglichen Platz vor die Südfassade des Schlosses. Weitere fünf Millionen Euro stellt der Bund bereit, damit das spektakuläre Dachgarten-Restaurant auf dem Schloss errichtet werden kann. Darauf einigte sich die Koalition in den frühen Morgenstunden. Doch Berlin mag das Geld vorerst nicht annehmen.